Casomorphine: Macht Käse wirklich süchtig?

Seit Jahren hält sich das Gerücht, dass man wegen der enthaltenen Casomorphine von Käse abhängig werden kann. Erfahrt hier mehr darüber!

29.Apr 2021

„Käse hat eine ähnlich süchtig machende Wirkung wie beispielsweise Heroin“ – eine Aussage, auf die man vor allem im Internet trifft. Nicht nur Veganer verbreiten sie in sozialen Medien und Foren, auch klassische Medien greifen das fragwürdige Argument auf. Doch was ist an der Behauptung dran, dass Käse so abhängig macht wie harte Drogen?

Käsesucht: Kann man Käse mit Koks, Crack und Heroin vergleichen?

Fakt ist, dass Kuhmilch – wie auch menschliche Muttermilch – winzige Mengen an Morphinen enthält. [1] Außerdem befinden sich in Kuhmilch große Mengen des Proteins Kasein, das im Darm zu sogenannten Casomorphinen abgebaut werden kann. [2] Auch bei der Herstellung von Käse können Casomorphine entstehen. Casomorphine sind Opioidpeptide, also natürlich vorkommende, morphinähnlich wirkende, kurze Eiweiße, die bei der Verdauung von Proteinen entstehen. Sie können an die passenden Opioidrezeptoren im Gehirn binden. [2] Diese Verbindungen können also im Gehirn an dieselben Rezeptoren andocken wie beispielsweise Heroin und daher theoretisch ähnlich wirken. In Muttermilch könnten solche opiatähnlichen Stoffe sinnvoll sein, um möglicherweise Mutter und Baby zu beruhigen, die Bindung zwischen ihnen zu stärken und um das Baby zum Trinken zu animieren. [3] Bei erwachsenen Menschen konnte diese Wirkung bisher nicht nachgewiesen werden. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass es Casomorphine aus dem Darm über die Darmwand in den Blutkreislauf und über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn schaffen. [4] Bei der Verdauung von Milch entstehen außerdem Stoffe, die die Opioidrezeptoren  blockieren und somit die Wirkung von Casomorphinen schwächen. In einigen Käsesorten überwiegt der Anteil der hemmenden Stoffe sogar [5] – ein weiteres Argument dafür, dass Käse als Produkt nicht grundsätzlich süchtig macht.

Süchtig machende Lebensmittel – was steckt dahinter?

2015 veröffentlichte die Los Angeles Times einen Artikel mit dem Titel „Käse ist Crack – Studie belegt, dass Käse wie Drogen wirkt“ [6]. Das GQ Magazin titelte 2016 „Die Wissenschaft belegt, dass Käse wie Kokain wirkt“ [7]. Beide Artikel beziehen sich auf eine Studie, in der 35 Lebensmittel auf ihr suchterregendes Potenzial untersucht wurden. Während Pizza auf Platz 1 landete, schaffte es Käse jedoch nur auf den 10. Platz. Auf den Plätzen dazwischen sind beispielsweise Schokolade, Chips, Kekse und Eis. [8] Die meisten dieser Lebensmittel enthalten zwar Milch, jedoch nicht in so konzentrierter Menge wie Käse.

Die suchterregende Wirkung dieser Produkte liegt laut der Studie nicht daran, dass sie Milch und somit Kasein und Casomorphine enthalten. Viel wahrscheinlicher ist, dass viele Leute Käse als Produkt so unwiderstehlich finden, weil er große Mengen an Salz, Fett und Umami enthält. Lebensmittel, die diese Geschmacksrichtungen aufweisen, mögen wir besonders gerne. [9, 10, 11] Tierische Produkte enthalten mehr Natrium als pflanzliche Lebensmittel und schmecken somit von Natur aus salziger. [12] Käse ist außerdem ein sehr fettiges Produkt. Pizza wurde in der Studie als Lebensmittel mit dem größten Suchtfaktor eingestuft. Das lässt sich damit begründen, dass das Gericht alle drei beliebten Geschmacksrichtungen kombiniert: Durch den Käse ist Pizza sehr fettig und salzig, die Tomatensoße und auch der Käse sind umamireich.

Eine Autorin der Studie kritisierte im Nachhinein die Schlagzeilen der Artikel sowie die Vereinfachung des eigentlich komplexen Themas. Die Wissenschaftlerin war entsetzt, dass die suchterregende Wirkung als falsche Entschuldigung für den Überkonsum von Lebensmitteln mit Käse vorgeschoben wird. Heißhunger oder etwas besonders gerne zu essen, kann nicht mit einer echten Sucht bzw. Abhängigkeit verglichen werden. [13]

Käse an sich macht nicht süchtig – ist aber trotzdem nicht gesund

Käse enthält sehr viel Fett, Salz und Cholesterin und ist sehr kalorienreich. Das sind Stoffe, von denen wir nicht zu viel zu uns nehmen sollten, denn sonst kann es zu erhöhtem Cholesterinspiegel, einem zu hohen Blutdruck und chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen. Veganer haben ein geringeres Risiko für Erkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Herzerkrankungen. [14] Käse und andere Milchprodukte stehen zudem im Verdacht, das Risiko für Krebsarten wie Prostatakrebs [15], Leberkrebs [16] oder Brustkrebs [17] zu erhöhen.

Und das Wichtigste: Wir brauchen Käse genauso wenig wie andere tierische Produkte, um gesund zu sein [14] und lecker zu essen. Die Milch, aus der Käse gemacht wird, ist Muttermilch für Kälber und kein Nahrungsmittel für Menschen.

Käsesucht ist kein Argument

Die Aussage „Käse macht süchtig“ ist also übertrieben: Veggies und Omnis sollten ihre „Käsesucht“ nicht als Ausrede dafür nutzen, die Ausbeutung von Tieren in der Milchindustrie weiter zu unterstützen und nicht vegan leben zu können. Genauso sollten vegane Aktivisten keine Falschaussagen verbreiten – sonst wird die Bewegung weniger ernst genommen, auch wenn‘s um die richtige Sache geht. Es gibt nämlich genug moralische, gesundheitliche und ökologische Vorteile, mit denen ihr stattdessen argumentieren könnt.

Vegane Käsealternativen

Für alle, die Käse lieben, gibt es mittlerweile zahlreiche verschiedene tierfreie Alternativen – zum Beispiel sind überbackene Nachos auch ganz ohne Tierleid möglich!

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Soll ein Tierausbeuter den Goldenen Blogger Award bekommen?

Der Goldene Blogger Award hat einen Schweinemäster als besten Berufsbotschafter nominiert. Tierquälerei hat jedoch keinen Award verdient!

Symbolbild
29.Apr 2021

Am 26. April 2021 wird der Goldene Blogger Award verliehen. Nominiert ist auch ein Vertreter der Tierindustrie. Findet ihr es zeitgemäß, wenn ein Schweinemäster gerade in Zeiten von Klimaerwärmung und fortschreitender Ressourcenknappheit für einen Award als bester Berufsbotschafter auf den sozialen Medien nominiert wird?

Wir von PETA ZWEI sind der Meinung: NEIN, denn Tierquälerei sollte niemals mit Preisen ausgezeichnet werden!

Goldener Blogger Award nominiert Schweinemäster

Aber erst mal von vorne: Einmal pro Jahr vergeben die Goldenen Blogger einen Preis an Blogger, Podcaster und insgesamt an alle Arten von Influencern, die mit ihren Social Media-Kanälen hervorstechen. Das Besondere an diesem Preis: Er umfasst mehrere Bereiche, was ganz interessante Kategorien zu Tage gebracht hat. So ist beispielsweise Angela Merkel als „Beste Bloggerin ohne Blog“ nominiert, Kai Pflaume für seinen Youtube-Kanal „Ehrenpflaume“ und die Feministin Vica Reich neben anderen für den besten TikTok-Kanal. Sonderpreise stehen auch bereits fest, sie gehen zum Beispiel an das Coronavirus-Update des NDR mit den Virologen Christian Drosten und Sandra Ciesek. Auch die Wissenschaftsjournalistin Mai Nguyen-Kim erhält von den Goldenen Bloggern einen Sonderpreis für die Leistung, die sie auf ihrem Youtube-Kanal „Mailab“ abliefert.

Alles sinnvolle und berechtigte Nominierungen – so weit, so gut. Jetzt wird es aber problematisch: Ebenfalls nominiert – und zwar in der Kategorie bester Berufsbotschafter – sind auch die Kanäle des „Bocholter Landschweins“ rund um Landwirt und Schweinemäster Dirk Nienhaus. [1]

Award an Tierausbeuter okay? Denkt nochmal nach!

Ist es wirklich okay, einem Vertreter einer Industrie, die tagtäglich rund 27 Millionen Schweine allein in Deutschland [2] für den Profit ausbeutet, einen Award dafür zu verleihen, diesen Missstand anzupreisen und somit Werbung dafür zu machen? Nein, ist es nicht, denn Tiere sind keine Ware. Sensible Schweine wollen genauso wie andere Tiere für ihr Fleisch weder unter den Folgen der Qualzucht leiden noch in Schlachthäusern mit teils unzureichender Betäubung getötet werden. Qualvolle Todeskämpfe sind kein Einzelfall, sondern der Alltag von Lebewesen wie Schweinen, Kühen und Hühnern in der Tierindustrie – auch in Biobetrieben. [3]

Seien wir ehrlich: Wir würden nicht wollen, dass uns jemand dazu zwingt, immer mehr Kinder auf die Welt zu bringen und sie nicht einmal aufziehen zu können. Denn man würde sie uns sowieso wieder wegnehmen, um sie für einen flüchtigen Moment des Genusses zu töten. Tiere allein für den Zweck zu züchten, um sie zu töten, kann niemals normal oder okay sein und sollte der Öffentlichkeit ebenfalls niemals als „normal“ verkauft werden.

Sich gesund vegan ernähren ist super einfach

Pflanzliche Lebensmittel versorgen uns bei einer ausgewogenen Ernährung mit allen notwendigen Proteinen und Nährstoffen [4] und haben deutliche gesundheitliche Vorteile, während der unnatürliche Konsum von (meistens auch noch stark verarbeitetem) Fleisch das Gesundheitsrisiko deutlich erhöhen kann, beispielsweise an Krebs zu erkranken. [5]

Vegan leben schont Ressourcen und das Klima

Wer sich vegan ernährt, rettet nicht nur Tierleben, sondern belastet außerdem die Umwelt deutlich weniger. Allein die Aufzucht der Tiere in der Tierindustrie verschlingt gigantische Mengen an Ressourcen. Um 100 Gramm Rindfleisch herzustellen, werden 1.500 Liter Wasser benötigt. [6] Um die Tiere auf ein bestimmtes Gewicht zu bringen, sind Unmengen an Futtermitteln notwendig: Um ein Schwein in kürzester Zeit auf das Zielgewicht zu mästen, erhält es in der Tierindustrie durchschnittlich 250 Kilogramm Kraftfutter pro Halbjahr [6] – dann wird das Tier als Nummer qualvoll im Schlachthaus getötet. Das Kraftfutter besteht zu großen Teilen aus Soja: Rund 75 Prozent des weltweit angebauten Sojas werden zu Schrot und damit zu Tierfutter in der Fleisch-, Milch- und Eierindustrie verarbeitet. [6]

Um so viel Getreide für die Tierindustrie anzubauen, sind unverhältnismäßig große Anbauflächen weltweit notwendig. Zum Vergleich: Vom weltweit angebauten Soja essen wir gerade einmal sechs Prozent. Und weil wir in Deutschland gar nicht erst genug Fläche haben, um so viel Getreide und Soja für Tierfutter für die Tierindustrie anzubauen, werden jährlich 3,99 Millionen Tonnen Soja aus dem Ausland, z. B. aus Brasilien gekauft und hierher verschifft. [7] In Brasilien wiederum wird der Regenwald abgeholzt und abgebrannt, um noch mehr Soja anzubauen – und das nicht, um daraus tierleidfreie Fleischersatzprodukte herzustellen. Denn das Soja wird als Schrot an Kühe, Hühner und Schweine (wie in besagten Mastbetrieben) verfüttert, um am Ende ein winziges, klimaschädliches Stück Fleisch auf dem Teller zu haben. Falls das noch nicht reicht: In Deutschland stammen 62 Prozent der gesamten Methanemissionen aus der Landwirtschaft. [8]

Das könnt ihr gegen Tierausbeutung tun!

Werdet noch heute vegan und rettet damit nicht nur Tierleben, sondern schützt und erhaltet damit auch das Klima! Wir unterstützen euch dabei: Ladet euch jetzt unsere Veganstart-App herunter und bekommt 30 Tage Unterstützung bei eurem Umstieg ins vegane Leben!