6 Dinge, die wir aus der Doku „Seaspiracy“ lernen können

Die Netflix-Doku Seaspiracy zeigt die erschreckenden Folgen der Fischerei auf unsere Weltmeere und gibt eine düstere Prognose. Jetzt lesen!

© youtube.com / Netflix
20.Apr 2021

Die neue Netflix-Doku Seaspiracy [1] zeigt eindrücklich, welche krassen Auswirkungen die weltweite Nachfrage nach Fisch hat. Der Film macht deutlich, wie sich die kommerzielle Fischerei auf unsere Ozeane und das Leben in den Meeren auswirkt. Um aufzuzeigen, was passiert, wenn der Fischkonsum nicht eingeschränkt wird, hat Regisseur Ali Tabrizi mit dem Team zusammengearbeitet, von dem auch Cowspiracy stammt. Seaspiracy geht unter die Oberfläche, um die Grausamkeiten der globalen Fischereiindustrie zu enthüllen – hier sind die wichtigsten Fakten aufgelistet.

1. Fische haben Gefühle

Fische sind Lebewesen, die Angst und Schmerz empfinden können – ähnlich wie andere Tiere oder wir Menschen. Wie alle Lebewesen möchten Fische ein unversehrtes, selbstbestimmtes Leben führen. Untereinander kommunizieren Fische auf sehr komplexe, unterschiedliche Weisen – Heringe zum Beispiel geben einander Informationen weiter, indem sie furzen. Dabei pressen die Meeresbewohner Luft aus ihrer Schwimmblase in den Analtrakt und erzeugen damit pulsierende Töne. [2]

Wenn also riesige, teilweise kilometerlange kommerzielle Fischernetze die Tiere aus ihrem Zuhause reißen, kommt es vor, dass ihnen die Augen aus dem Kopf quellen. Viele Fische werden brutal mit ihren empfindlichen Schuppen über den Meeresboden geschleift, bevor sie plötzlich und viel zu schnell aus dem Wasser gezogen werden. Dabei reißt bei Fischen häufig ihre Schwimmblase und ihre Mägen quellen aus ihrem Mund. Die Fische, die diesen Vorgang überleben, schneiden Fischer häufig in Stücke, lassen sie verbluten oder werfen sie auf Eis, wo sie erfrieren oder langsam ersticken. Genauso wenig wie wir Menschen möchten auch Fische nicht getreten, geworfen, auf einem Schneidebrett zerhackt werden oder ersticken.

2. Es gibt keinen „nachhaltigen“ Fischfang

Einige Unternehmen kennzeichnen ihre Fischprodukte mit irreführenden Labels, die Konsumenten vorgaukeln, dass einige Fischarten „nachhaltig“ gefangen und getötet werden könnten. Als Beispiel kann die die schottische Lachsfarm-Industrie genannt werden, die jedes Jahr so viel Abfälle produziert wie die gesamte schottische Bevölkerung – und trotzdem wirbt die Industrie mit „nachhaltig produziertem“ Fisch.

Der kommerzielle Fischfang ist sogar noch umweltschädlicher als Ölverschmutzungen: Die Fischerei hat an einem Tag mehr Tiere vernichtet als die Ölpest im Golf von Mexiko in mehreren Monaten.

Die verschiedenen Meeresschutzgruppen konnten sich bisher nicht einmal auf eine einheitliche Definition des Begriffs „nachhaltig“ einigen – somit sind die verschiedenen „Nachhaltigkeit“-Labels so gut wie bedeutungslos. Die nachhaltig und moralisch beste Entscheidung ist es, die Fische leben zu lassen.

3. Wenn die Nachfrage nach Fisch nicht sinkt, werden die Ozeane in 30 Jahren so gut wie leer sein

Wenn nicht sofort ein Wandel in unserem Denken und Handeln stattfindet, werden die Weltmeere in den nächsten Jahrzehnten überfischt und die Artenvielfalt extrem reduziert sein. Die Fischindustrie ist jährlich für den Tod von geschätzten 2,3 Billionen Fischen [3] verantwortlich. Fische sind auch wichtig für die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts der Ozeane, ohne sie würden andere Tiere – darunter Korallen, Wale, Delfine und Seevögel – sterben oder verhungern. Wir müssen also endlich aufhören, die gierige und grausame Fischindustrie zu unterstützen.

4. Der Streit um Plastikstrohhalme ist nur ein Ablenkungsmanöver

In den vergangenen Jahren konnten traurige Bilder von Meeresschildkröten, denen Strohhalme in den Nasenlöchern und Rachen feststeckten, zunächst unzählige Restaurants dazu bewegen, keine Strohhalme aus Plastik mehr zu verwenden. In der EU sind Plastikstrohhalme und einige andere Einweg-Produkte aus Plastik seit 2021 verboten, um die Ozeane vor der Vermüllung zu schützen. Das ist zwar ein guter Anfang, doch weltweit sterben pro Jahr rund 1.000 Meeresschildkröten durch Plastikstrohhalme – doch allein in den USA fangen, verletzen oder töten Fischereifahrzeuge schätzungsweise 250.000 dieser Tiere. Während Strohhalme nur 0,03 Prozent des Plastikmülls in den Ozeanen ausmachen, besteht der Pazifische Müllstrudel – der sogenannte Great Pacific Garbage Patch – fast zur Hälfte aus Fischernetzen. [4]

5. Die Lüge vom „Dolphin Safe“-Siegel: Auch Delfine sind vor der Fischerei nicht sicher

Auf Thunfischdosen ist immer häufiger das „Dolphin Safe“-Siegel. Konsumenten haben beim Kauf der Produkte dann meist ein beruhigtes Gewissen. Doch dieses und ähnliche Label sind bedeutungslos: Jedes Jahr werden 300.000 Delfine und Wale getötet, nachdem sie sich in Fischernetzen verfangen haben. Weil zahlreiche besonders nachgefragte Fischarten extrem überfischt sind, töten Fischer in einigen Gebieten routinemäßig Delfine, weil sie sie als Konkurrenz betrachten. Ein „delfinsicheres“ Fischereifahrzeug hat beispielsweise 45 Delfine brutal getötet, um acht Thunfische zu fangen. Außerdem sind Thunfische und andere Meerestiere nicht weniger wert als Delfine und verdienen ebenfalls ein unversehrtes Leben und Schutz vor der Fischerei.

6. Es gibt keine guten Gründe, Fische zu essen

Fischkonsum schadet Meerestieren, der Umwelt und der Gesundheit! Fischfleisch ist oft mit Schwermetallen, Mikroplastik und weiteren Schadstoffen belastet. Selbst die in Fischfleisch enthaltenen wichtigen Omega-3-Fettsäuren nehmen die Fische über ihre Nahrung – über Algen – auf. Wie Fische können auch wir diese gesunden Fette tierfreundlich – ohne für den Tod von Leben verantwortlich zu sein – aufnehmen, indem wir zum Beispiel Algenölpräparate oder mit Algen angereicherte Produkte essen.

Das sagt der Regisseur von Seaspiracy

„Das Beste, was ich jeden einzelnen Tag tun kann, um den Ozean und seine Bewohner zu schützen, ist, sie einfach nicht zu essen.“ [1] – Ali Tabrizi, Regisseur von Seaspiracy

So könnt ihr die Meere und Fische schützen

Ihr wollt die Meere, Fische und unzählige weitere Meerestiere ebenfalls schützen? Dann entscheidet euch für eine tierfreundliche, vegane Ernährung. Mittlerweile gibt’s zum Glück viele pflanzliche Fischalternativen wie vegane Fischstäbchen oder Tintenfischringe.

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Angeln: 7 Gründe, warum Catch and Release Tierquälerei ist

Nein, Angelpraktiken wie Catch and Release sind kein Spaß, sondern Tierquälerei. Warum Fische dadurch leiden und sterben, erfahrt ihr hier!

20.Apr 2021

Fische aus dem Wasser zu ziehen, um zu sehen, wer den „Größten“ oder „Schwersten“ geangelt hat, ist niemals cool. Genau das passiert aber beim sogenannten Catch and Release, einer Angelmethode, bei der Angler nur aus „Spaß“ Fische aus dem Wasser ziehen, sie messen, wiegen und oft für Fotos mit ihrer „Beute“ posieren, um sie dann wieder zurück ins Wasser zu werfen.

Angeln und auch das Fangen und Zurückwerfen von Fischen ist aber vor allem eines: schlimme Tierquälerei. Hier erfahrt ihr, warum.

1. Fische werden mit scharfen Haken aufgespießt

Hört es sich für euch wirklich nach Spaß an, wenn ihr euch vorstellt, jemand durchbohrt mit einem scharfen Haken eure Lippe? Oder der Haken steckt in eurem Rachen fest, im Auge, im Magen, in der Haut oder sonst wo in eurem Körper? [1] Ihr werdet dann aus eurer gewohnten Umgebung gezogen, wo ihr nicht atmen könnt, oft nach einem teils langen, ermüdenden Kampf, den die Angler auch „Drill“ nennen? Nein, das ist sicher kein Spaß!

Die Angelhaken sind übrigens auch für andere Lebewesen gefährlich, wenn sie an See- und Flussufern „vergessen“ oder verloren werden, denn auch Hunde, Vögel oder kleine Kinder können sich daran verletzen.

2. Fische empfinden Schmerzen

Von einem Angelhaken durchbohrt zu werden, ist in keiner Weise mit einem Piercing beim Menschen zu vergleichen – oder werdet ihr an der Lippe, der Nase oder irgendwo sonst an der frischen Wunde aus dem Wasser an Land gezerrt? Wem bei dem Gedanken ein kalter Schauer über den Rücken läuft, weil das einfach nur brutal und schmerzhaft klingt: Fische fühlen das genauso, wie es auch Hunde fühlen würden, wenn sie aufgespießt werden. Denn Fische spüren Schmerzen, das zeigen Studien seit vielen Jahren.

3. Fische ersticken an Land qualvoll

Fische filtern mit ihren Kiemen Sauerstoff aus dem Wasser. Das geht an Land nicht. Sobald sie aus dem Wasser gezogen werden, wird ihre Sauerstoffzufuhr unterbrochen – sie bekommen keine Luft mehr, was Stress und Panik auslöst. Andersrum erklärt: Viele Menschen fürchten einen Tod durch Ertrinken, da sie dabei ersticken. Keine Luft zu bekommen, egal, wie verzweifelt man danach schnappt, ist eines der schlimmsten Gefühle überhaupt. So geht es vermutlich auch Fischen, wenn man sie aus dem Wasser zieht. Beim Catch and Release werden die Tiere dann zusätzlich noch nach Größe und Gewicht gemessen – und das nicht in einer Sekunde. Versucht mal, Luft zu bekommen, wenn ihr einen Panikanfall habt. Wenn dann noch jemand vor der Kamera mit euch als „Trophäe“ posiert, um sich „toll“ zu fühlen, ist das einfach nur Quälerei.

4. Handling von Fischen kann Schleimhaut und Schuppen schädigen

Menschen sollten Fische einfach in Ruhe lassen. Wenn Angler die Fische beispielsweise anfassen oder gar herumreichen, kann das deren empfindliche Schleimhäute oder die Schuppen schädigen. Diese schützen die Tiere aber vor Infektionen, Bakterien, Pilzbefall und Parasiten. Damit Angler in den sozialen Netzwerken angeben können, werden die Fische beim Wiegen und Messen meist grob behandelt. Das löst nicht nur Stress und Erstickungsgefahr aus, sondern kann auch indirekt zum Tod führen.

5. Viele der zurückgeworfenen Fische sterben

Wissenschaftler untersuchten in einer 2017 publizierten Studie aus den USA, wie viele der Forellen, die beim Catch and Release gefangen und danach wieder zurück ins Wasser gesetzt werden, starben. Es waren 40 bis 50 Prozent. [1] Zurückgesetzte Fische können an ihren Verletzungen oder am Druck- oder Temperaturunterschied zwischen Wasser und Land sterben. Sie werden von anderen Fischen getötet, weil sie traumatisiert und so leichte Beute sind. Viele sterben an Infektionen oder an äußeren oder inneren Verletzungen, zum Beispiel wenn die Schwimmblase reißt [1]. Es stimmt also nicht, dass es den Fischen nichts ausmachen würde, nach dem Angeln wieder zurückgesetzt zu werden. Sie leiden und viele sterben sogar.

6. Der Temperaturunterschied setzt Fischen zu

Wer schon mal in einem See schwimmen war, der weiß, dass es kälter wird, je tiefer es wird. Wird ein Fisch nun urplötzlich an Land gezogen, kann dieser Temperaturunterschied einen Einfluss auf die Sterberate der Fische haben. Eine Studie zeigt, dass je größer der Temperaturunterschied, desto höher die Sterblichkeit. [1]

7. „Spaß-Angeln“ ist per Gesetz verboten

Einfach so aus „Spaß“ Fische zu angeln, um sie dann wieder zurückzuwerfen, ist außerdem eine Straftat und verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Denn dabei werden einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zugefügt. Das heißt aber nicht, dass Fische, die zu dem Zweck geangelt werden, gegessen zu werden, weniger leiden. Im Gegenteil. Wer Fische schützen möchte, der sollte Fische nicht länger wie Spielzeug behandeln und sie zudem auch komplett von seinem Speiseplan streichen. Das Gute: Es gibt superviele und leckere vegane Fischalternativen!

Angeln ist schlimm für Fische – der einzelne Fisch leidet am Haken genauso wie bei der industriellen Fischerei! Erfahrt mehr darüber, was die Fischerei den Tieren und unserem Planeten antut!

  • Quellen

    [1] Sitar, Shawn P. et al. (2017) Recreational Postrelease Mortality of Lake Trout in Lakes Superior and Huron, North American Journal of Fisheries Management, 37:4, 789-808, DOI: 10.1080/02755947.2017.1327, (eingesehen am 24.03.2021)