Dinge, die Veganer ständig hören

Das Nervigste am Vegansein ist nicht das Vegansein selbst, sondern dass andere so gern ihren Senf dazugeben. So antwortet ihr ruhig auf die häufigsten Fragen.

Foto: Ryan McGuire

„Hundertprozentig vegan geht nicht, also kannst du es auch direkt sein lassen.“

Etwas gar nicht zu machen, weil man es nicht perfekt machen kann, ist eine traurige Einstellung. Natürlich sind wir alle schon mal versehentlich auf eine Ameise getreten oder haben eine Mücke eingeatmet, aber das heißt nicht, dass wir Tieren deshalb absichtlich schaden sollten. Wir haben auch alle schon mal unabsichtlich Menschen verletzt und sehen das trotzdem nicht als Argument, ihnen vorsätzlich wehzutun. Beim Vegansein kommt es nicht darauf an, sich aus der Welt zurückzuziehen, weil die nicht komplett vegan ist, sondern dafür zu sorgen, dass sie es wird.

„Stört es dich, wenn ich vor dir Fleisch esse?“

Nein. Solange Fleischesser nicht mit Steaks wedeln oder mit Würstchen fuchteln, nur um Veganer zu ärgern, ist es völlig egal, ob sie das Fleisch vor ihnen essen oder allein zu Hause. Für die Tiere kommt das aufs Gleiche raus.

„Würdest du in einem nicht-vegetarischen Restaurant essen?“

Klar! Erstens wollen auch Veganer nicht immer alleine bestimmen, wo es mit Freunden oder der Familie zum Essen hingeht. Und zweitens hilft es am Ende allen, wenn auch nicht-vegetarische Restaurants mitbekommen, dass es eine Nachfrage nach vegetarischem und veganem Essen gibt und ihr Angebot darum erweitern.

„Ich könnte niemals ohne Käse leben.“

Das haben die meisten Veganer mal gedacht, und die meisten haben es überlebt. Im Ernst: Das Leben ist voller Herausforderungen, die erst mal anstrengend klingen, in Wahrheit aber gar nicht so schwierig sind. Und der Käse-Jieper gehört wirklich eher zu den kleineren Hürden, vor allem wenn es für andere wirklich um Leben und Tod geht und die tierfreien Käsealternativen immer besser werden.

„Du weißt gar nicht, was du verpasst!“

Auch wenn Veganer kein Fleisch essen, haben die meisten das früher mal gemacht und sich dann aus ethischen, gesundheitlichen oder Umweltschutzgründen dagegen entschieden. Wir wissen also, wie Fleisch schmeckt und dass ein großer Teil dieses Geschmacks nichts mit Tier zu tun hat, sondern mit Gewürzen und Zubereitung, die es genauso auch vegan gibt.

„Warum müssen Veganer einem ständig aufdrücken, dass sie vegan sind?“

Die allermeisten Gespräche, in denen dieser Satz fällt, hat ein Fleischesser angefangen, der sich allein durch die Anwesenheit von Veganern im Fleischessen angegriffen fühlt. In Wahrheit haben die allermeisten Veganer auch nicht mehr Lust als alle anderen, den Leuten um sich herum ständig ihre Lebensentscheidungen zu erklären.

„Warum essen Veganer Produkte, die aussehen wie Fleisch?“

Auch Fleisch fällt nicht in Schnitzel-, Wurst- oder Bällchenform aus dem Tier. Diese Formen sind einfach praktisch, deshalb sehen auch die veganen Versionen ähnlich aus. Außerdem hilft es bei der Orientierung, ein plattes Stück panierten Seitan einfach auch Schnitzel zu nennen, weil dann jeder weiß, was gemeint ist. Und letztlich gibt es auch genug Veganer, die aus ethischen Gründen kein Fleisch essen, den Geschmack von gut gewürztem und gegrilltem Protein aber trotzdem mögen.

„Das Tier ist doch schon tot. Wenn du es nicht isst, ist es umsonst gestorben.“

Die Fleischindustrie funktioniert wie jede andere über die Nachfrage. Tiere sind nicht einfach so schon tot, sondern weil damit Geld gemacht werden soll. Wenn die Nachfrage sinkt, wird in Zukunft weniger Fleisch gekauft und weniger Tiere werden getötet. Ganz einfach.

„Bei der Ernte von Obst, Gemüse und Getreide sterben auch Tiere.“

Ganz ohne Schaden für irgendein Lebewesen können wir leider alle nicht leben, das hatten wir oben schon. Wer sich aber wirklich Gedanken über die Tiere macht, die beim Pflanzenanbau sterben, sollte wissen, dass veganes Leben viel weniger Pflanzen verbraucht als Leben mit Fleisch. Eine Kuh zum Beispiel muss erst einmal acht Kilo Pflanzen essen, um diese in ein halbes Kilo Fleisch umzuwandeln. Wenn wir die Kuh nicht essen, sparen wir also auch Pflanzen.

„Und wo bekommst du dein Eiweiß her?“

Vorab: Eiweiß kommt nicht nur in Eiern vor, sondern ist ein anderes Wort für Proteine. Und die sind außer in Zucker, Alkohol und Fett fast überall drin. Es ist also praktisch unmöglich, zu wenig davon zu sich zu nehmen. Für alle, die es genauer wissen wollen, haben wir noch ein paar besonders gute pflanzliche Quellen.

„Menschen haben schon immer Fleisch gegessen.“

Menschen sind Omnivoren, also Allesesser. Das hat uns mal einen Überlebensvorteil gebracht, heißt jetzt aber vor allem, dass wir selbst entscheiden können. Menschen leben heute nicht mehr so wie vor Tausenden von Jahren, sondern haben sich im Laufe der Zeit zum Beispiel auch gegen Höhlen, für Klamotten und gegen Sklavenhaltung entschieden.

„Willst du einem Löwen etwa auch das Fleischessen verbieten?“

Nein. Löwen sind – ähnlich wie zum Beispiel kleine Kinder – nicht intelligent genug, ethische Entscheidungen zu treffen und ihr Verhalten danach zu ändern. Erwachsene Menschen können das aber.

Ernährung

Warum ihr euch bewusst machen solltet, was ihr esst.
Go Vegan!

Warum Pflanzenprotein viel mehr kann als Whey

Wer regelmäßig Sport macht, steht irgendwann vor der Entscheidung: Proteinpulver nehmen, und wenn ja, welche? Warum es keine gute Idee ist, Molke zu schlucken.

Foto: Cristian Baron

Die meisten Menschen brauchen kein zusätzliches Eiweiß

Das mal als allererstes: Wer nicht zu den Überpumpern gehört, kommt meist sehr gut damit klar, sich ausgewogen zu ernähren und Eiweiß aus Hülsenfrüchten, Nüssen oder Brokkoli aufzunehmen. Zu viel künstlich zugesetztes Protein macht weder dünn noch muskulös und kann sogar auf die Nieren gehen, also immer schön langsam.

Milch fördert Akne

Newsflash: Whey ist das englische Wort für Molke und die entsteht aus Milch. Immer wieder zeigen Studien, dass Milchkonsum und Akne zusammenhängen. Das liegt vermutlich an Hormonen oder bioaktiven Molekülen in der Milch, die schließlich dazu da ist, Kälber zu ausgewachsenen Kühen zu päppeln, und für Menschen artfremd ist. Wer vor allem in jungen Jahren die konzentrierte Version davon schluckt, setzt sich einem noch höheren Risiko für Akne aus.

Die meisten Whey-Pulver enthalten fiese Zusatzstoffe

Dazu gehören nicht nur fragwürdige Süßstoffe, sondern auch Zusätze, die ein Verklumpern verhindern oder den Geschmack verbessern sollen. Ganz abgesehen davon, dass viele Menschen auf Molke schon aufgrund der enthaltenen Laktose allergisch reagieren, wird zum Beispiel Aspartam mit Kopfschmerzen, Körperfettzunahme und sogar Krebs in Verbindung gebracht.

Für Molke werden Kälber getötet

Aus unserer Sicht natürlich der wichtigste Grund: Kuhmilch ist für Babykühe da. Wenn man die Milch ihrer Mütter für den Menschen abpumpt, bleibt für die Kinder nur billige Ersatznahrung und der schnelle Weg ins Schlachthaus, um als Kalbfleisch zu enden. Das unterstützt jeder, der Vollmilch, Milchbestandteile wie eben Molke oder verarbeitete Produkte wie Käse, Joghurt oder Milchschokolade kauft.

Es gibt reichlich Alternativen

Wie bei so vielen Produkten gilt auch beim Molkepulver: es gibt pflanzliche Alternativen, die nicht nur tierfreundlicher sind, sondern oft auch viel gesünder. Vegane Proteinpulver enthalten beispielsweise Eiweiß aus Hanf, Kürbis, Erbsen oder Sonnenblumenkernen, sind oft bio und meist natürlich gesüßt. Und auch wenn das ein bisschen hippiemäßig klingt, stecken dahinter jede Menge Studien, die zeigen, dass Muskelaufbau auch pflanzlich geht.


Ihr wollt es lieber erst mal ganz ohne Shakes und Pülverchen versuchen? Wir haben die besten veganen Lebensmittel mit viel Protein drin für euch.