Exotische Tiere: Warum Reptilien & Co. keine Haustiere sind

Exotische Tiere zu Hause halten? Wir erklären, warum Schlangen, Schildkröten & Co. nicht in private Haltung gehören.

15. Dez 2020

Die Haltung von exotischen Tieren ist gefährlich und niemals artgerecht

Anders als beispielsweise Hunde oder Katzen sind exotische Tiere nicht domestiziert, also nicht an das Leben in Häusern und mit Menschen gewöhnt. Schildkröten, Bartagamen, Skorpione, Frösche und Schlangen sind Wildtiere, die in der Freiheit oft ihr ganzes Leben lang keinen Menschen begegnen würden. Deshalb ist es für sie meist schon stressig, Menschen zu sehen, geschweige denn von ihnen berührt zu werden.

Auch umgekehrt ist es für Menschen ziemlich schwierig, zum Beispiel einer Spinne oder einem Leguan anzusehen, ob mit ihnen etwas nicht stimmt, sie Angst haben oder vielleicht sogar krank sind. Viele exotische Tiere sterben früh an haltungsbedingten Krankheiten [1] oder weil es keine Tierärzte in der Nähe gibt, die sich mit den Exoten und ihren Erkrankungen auskennen.

Nicht nur für die Tiere bedeutet es Stress und Gefahr, mit Menschen zusammenzuleben. Auch für Menschen können exotische Tiere wie giftige Spinnen oder Würgeschlangen gefährlich werden. Dazu kommt, dass viele in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien Salmonellose-Erreger in sich tragen, die den Tieren nichts ausmachen, für Menschen aber hochgefährlich sein können. [2]

Ein exotisches Tier artgerecht zu halten, ist ein Widerspruch in sich, weil Wildtiere nur in Freiheit artgerecht leben können. Oft stimmen nicht einmal grundsätzliche Bedingungen wie die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit. Und selbst wenn Halter sich Mühe geben, diese Faktoren an die im Herkunftsland der Tiere anzupassen, können Glaswände und Mauern nie das Leben draußen in der Freiheit ersetzen.

Der Handel mit Exoten: Massenzucht und Todesqual

Rund 800.000 Reptilien werden jedes Jahr nach Deutschland importiert [3] – unter ihnen noch immer viele Wildfänge. Die Dunkelziffer liegt jedoch wesentlich höher, da der Schwarzmarkt in den Zählungen nicht enthalten ist. Für den Artenschutz ist der Handel mit den Tieren eine Katastrophe. Nur wenige Reptilienarten sind geschützt und selbst diese werden nicht in Ruhe gelassen. Illegale Wildfänge werden per Stempel kurzerhand als Nachzucht deklariert. Da es an Kontrollen und staatlicher Durchsetzung von Artenschutzabkommen fehlt, ist es für die kriminellen Händler ein leichtes Spiel, geschützte Tiere zu fangen, nach Europa zu schmuggeln und hier zu verkaufen. Denn es gibt noch immer kein EU-Gesetz, das den Handel mit Tieren verbietet, die in ihren Herkunftsländern geschützt sind.

Auch werden viele Tiere in Massenzuchtanlagen von Großhändlern im Ausland unter grauenvollen Bedingungen „produziert“. Und dann wie Ware – in engen Plastikboxen – verschickt und über lange Distanzen transportiert. Viele Tiere überleben diese Tortur nicht. Sterberaten von bis zu 70 Prozent werden in der Zoohandelsbranche bereits einkalkuliert. [4]

Tiere, die den Transport überlebt haben, bleiben oft auch nach ihrer Ankunft bei deutschen Großhändlern in winzigen Behältnissen eingesperrt. Im nächsten Schritt werden die Tiere dann auf Tierbörsen, über Zoohändler, Baumärkte oder über das Internet verkauft.

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Der internationale Handel mit Tieren sorgt außerdem dafür, dass weltweit Ökosysteme durcheinandergeraten. Es ist meist schwer, eine Tierart unter Artenschutz zu stellen, und selbst wenn Tiere unter Schutz stehen, werden sie oft trotzdem aus ihrem eigentlichen Lebensraum gerissen und ins Ausland verkauft. Das schadet nicht nur dem Ökosystem in ihrem Heimatland, sondern auch dem im Ankunftsland, wenn „eingeschleppte“ Tierarten sich ohne natürliche Fressfeinde unkontrolliert ausbreiten und heimische Arten bedrohen. [5]

Das könnt ihr tun

Einem Tier ein Zuhause zu schenken, sollte immer gut überlegt sein. Wer die nötige Fachkenntnis und die Möglichkeit hat, einem exotischen Tier ein Zuhause zu bieten, sollte immer ein Tier aus einer Auffangstation oder einem Tierheim adoptieren.

[1] Schmidt, Volker: Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress, 2008

[2] Apotheken.de (20.05.2014): Salmonellengefahr durch Reptilien, https://www.apotheken.de/news/9818-salmonellengefahr-durch-reptilien, (eingesehen am 01.12.2020)

[3] Berliner Morgenpost (09.11.2018): Das Geschäft mit exotischen Tieren hat viele dunkle Seiten, https://www.morgenpost.de/ratgeber/article215762633/Das-Geschaeft-mit-exotischen-Tieren-hat-viele-dunkle-Seiten.html, (eingesehen am 01.12.2020)

[4] Toland, Elaine/Warwick, Clifford/ Arena, Phillip: Pet Hate, in: The Biologist, Vol. 59 No. 3, 2012

[5] WDR Wissen (09.09.2017): Hautpilz bedroht Feuersalamander im Ruhrgebiet: https://www1.wdr.de/wissen/natur/bedrohter-feuersalamander-infektion-ruhrgebiet-100.html, (eingesehen am 01.12.2020)

Haustiere

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Warum Rassenwahn auch bei Hunden und Katzen schlimm ist

Wer sich Hunde oder Katzen nach einer bestimmten Rasse aussucht, schadet damit nicht nur diesen Tieren, sondern auch denen, die dafür im Tierheim bleiben.

15. Dez 2020

So große, niedliche Augen, dass sie den Tieren beim Sprung vom Sofa aus dem Kopf fallen, Gelenkprobleme, Organmissbildungen und Schwierigkeiten beim Atmen: Mit sogenannten Qualzuchten machen Händler viel Geld. Dass die im wahrsten Sinne des Wortes „kaputt gezüchteten“ Tiere dabei unter massiven Gesundheitsproblemen leiden, die von Generation zu Generation nur schlimmer werden, ist diesen Menschen egal. Sie gehen voll in dem Rassenwahn auf. Darum ist das Geschäft mit den Qualzuchten so furchtbar.

Angezüchtet wird, was gerade „in“ ist

Viele Menschen schaffen sich Haustiere bestimmter Rassen an, weil sie sich davon spezifische Merkmale erhoffen oder eine Rasse gerade in Mode ist. „Modehunde“ wie Bulldoggen oder Möpse haben wegen ihrer verkürzten Nasen aber oft Probleme, ausreichend Luft zu bekommen, im Sommer fallen sie in vielen Fällen ohnmächtig um. Es gibt Katzen, denen die Beine kurz gezüchtet werden, sodass sie das Gleichgewicht nicht mehr halten und schon gar nicht mehr springen können. So lustig das auch auf Instagram aussehen mag – für die Tiere ist es eine Katastrophe.

Tiere werden als Ware gesehen, die „optimiert“ werden muss

Solange Menschen Tiere aufgrund von Eigenschaften wie der Fellfarbe, der Gesichts-, Nasen- oder Beinform kaufen, unterstützen und fördern sie die Qualen für Tiere. Viele Züchter produzieren dann ihre Ware – denn genau so sehen sie die Tiere oft – auf genau diese Nachfrage hin. Oft passiert das durch Inzucht, wodurch nicht nur optische Eigenschaften, sondern auch schlimme Krankheiten weitervererbt werden. [1]

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Adoptieren statt kaufen!

Wenn solche „Modetiere“ die Erwartungen nicht erfüllen oder ihre Menschen sie nicht mehr halten können, weil beispielsweise die lebensnotwendigen Operationen zu teuer wären, landen die Lebewesen im Tierheim. Allein in deutschen Tierheimen warten jährlich 350.000 Tiere auf ein liebevolles Zuhause. Dort warten so viele verschiedene Hunde, Katzen und andere Tiere auf ein neues Zuhause, dass jeder Mensch den passenden tierischen Gefährten für sich findet. Für jedes Tier, das man beim Züchter kauft, bleibt aber ein anderes im Tierheim zurück. Das gilt nicht nur für gewinnorientierte Großzüchter, Händler im Internet und Zoohandlungen, sondern auch für kleine Züchter.

Wer Tiere mag, sollte deshalb nicht zum Züchter gehen, sondern eins aus dem Tierheim adoptieren.

Ihr denkt über ein exotisches Haustier nach?

Lasst das lieber. Fische und Einsiedlerkrebse oder Reptilien gehören beispielsweise überhaupt nicht in menschliche Häuser.

[1] Quarks (29.06.2020): So leiden Hunde unter ihrem „niedlichen“ Aussehen, https://www.quarks.de/umwelt/tierwelt/so-leiden-hunde-unter-ihrem-niedlichen-aussehen/, (eingesehen am 26.11.2020)