Tierquälerei beim Fischertag Memmingen

Der Fischertag Memmingen lockt jedes Jahr Tausende Menschen an. Bei dem Wettbewerb töten Angler unzählige Fische. Erfahrt hier, was daran falsch ist!

22. Apr 2021

Angeln ist kein Sport, sondern Tierquälerei. Inzwischen haben das zum Glück viele Leute begriffen, nur in Memmingen tun sie sich damit noch schwer. Die kleine Stadt im Allgäu veranstaltet jedes Jahr vor den Sommerferien einen Fischertag, an dem rund 30.000 Mitwirkende und Zuschauer teilnehmen. [1] Über 1.000 Angler fischen innerhalb von wenigen Minuten den Stadtbach leer und töten die Forellen im Rahmen eines Wettbewerbs: Wer den schwersten Fisch fängt, darf sich zudem ein Jahr lang „Fischerkönig“ nennen. [2]

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Etwa vier bis sechs Wochen nach dem Event werden etwa 5.000 Forellen im Stadtbach ausgesetzt, [3] nur damit sich Monate später erneut hunderte Fischer auf sie stürzen, um sie mit Keschern zu fangen. Während die Männer das tun, stoßen sie seltsame Laute aus und vollführen nebenbei den „Wackeltanz“. Wer die schwerste Forelle fängt, gewinnt den Wettbewerb des Fischertags Memmingen und wird zum „Fischerkönig“ ernannt. Nach dem Fang gehen die Memminger Stadtbachfischer mit den Tieren in die Tötungszelte, sogenannte „Versorgungsstationen“, wo die Fische getötet, aber nicht ausgenommen werden dürfen. PETA-Aufnahmen aus dem Jahr 2012 zeigen, wie unsachgerecht betäubte Tiere aufgeschnitten werden, obwohl die Veranstalter behaupten, verantwortungsvoll mit den Tieren umzugehen. Eigentlich müssten die Fische laut Vorschrift des Fischereivereins innerhalb von 30 Minuten nach dem Fang getötet werden. Die Schlange vor den Tötungszelten ist aber so lang, dass es meist deutlich länger dauert. Für die Fische bedeutet das noch längere Qualen, bevor sie getötet werden.

Tierquälerei und Sexismus – darum steht der Fischertag Memmingen in der Kritik

In den Medien wurde in den letzten Jahren verstärkt thematisiert, dass nur männliche Bewohner des Orts an der Veranstaltung in Memmingen teilnehmen dürfen, die einen Fischereischein haben – falls sie den nicht haben, reicht es auch, wenn sie den vereinsinternen Fischerkurs besucht haben. Im August 2020 entschied ein Gericht, dass auch Frauen an dem Wettbewerb teilnehmen dürfen, der ansässige Fischereiverein legte jedoch Berufung ein. [4] Bei dieser Diskussion rückt leider in den Hintergrund, dass unzählige Tiere bei diesem Stadtfest gejagt und getötet werden, rein zur Bespaßung der Zuschauer. Dies erinnert an altertümliche Feste einer längst vergangenen Zeit, bei denen in Arenen Menschen und Tiere vor jubelndem Publikum getötet wurden.

Angelwettkämpfe verstoßen generell gegen das Tierschutzgesetz: Nach Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Die Verantwortlichen des Memminger Fischertags argumentieren, dass die Fische anschließend gegessen würden. Doch steht hier der Wettbewerbsgedanke eindeutig im Vordergrund. Auch die vorgeschobene nötige Reinigung des Bachs ist kein Grund zum Leerfischen und Töten der Fische, denn das jährliche, erneute Aussetzen neuer Fische in den Memminger Stadtbach erscheint vor diesem Hintergrund mehr als fragwürdig. Bitte helft uns, den Fischertag in die Geschichtsbücher zu verbannen.

Wenn ihr Tieren helfen und gegen tierquälerische Veranstaltungen aktiv werden wollt, könnt ihr euch den PETA ZWEI-Streetteams in euer Nähe anschließen und gemeinsam Aktionen planen, um auf die Ausbeutung von Tieren hinzuweisen und zu einem Wandel beizutragen.

[1] Fuchs, Florian (2020): Tradition oder Diskriminierung, https://www.sueddeutsche.de/bayern/memmingen-stadtbachfischen-tradition-diskriminierung-1.4987404, (eingesehen am 22.03.2021)

[2] FOCUS Online (2020): Frauen wollen „Fischerkönig“ werden: „Es besteht kein Grund, mir das zu verwehren“, https://www.focus.de/kultur/leben/prozess-in-memmingen-frauen-wollen-fischerkoenig-werden-es-besteht-kein-grund-mir-das-zu-verwehren_id_12277779.html, (eingesehen am 22.03.2021)

[3] Merkur.de (2011): Memmingen schickt 1300 Männer auf Forellenjagd, https://www.merkur.de/bayern/memmingen-schickt-1300-maenner-forellenjagd-zr-1331444.html , (eingesehen am 22.03.2021)

[4] Hartmann, Julian (2021): Dürfen Frauen in den Stadtbach „jucken“? Ende Juni geht es wieder vor Gericht, https://www.all-in.de/memmingen/c-lokales/duerfen-frauen-in-den-stadtbach-jucken-ende-juni-geht-es-wieder-vor-gericht_a5108532, (eingesehen am 22.03.2021)

Unterhaltung

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Angeln: 7 Gründe, warum Catch and Release Tierquälerei ist

Nein, Angelpraktiken wie Catch and Release sind kein Spaß, sondern Tierquälerei. Warum Fische dadurch leiden und sterben, erfahrt ihr hier!

22. Apr 2021

Fische aus dem Wasser zu ziehen, um zu sehen, wer den „Größten“ oder „Schwersten“ geangelt hat, ist niemals cool. Genau das passiert aber beim sogenannten Catch and Release, einer Angelmethode, bei der Angler nur aus „Spaß“ Fische aus dem Wasser ziehen, sie messen, wiegen und oft für Fotos mit ihrer „Beute“ posieren, um sie dann wieder zurück ins Wasser zu werfen.

Angeln und auch das Fangen und Zurückwerfen von Fischen ist aber vor allem eines: schlimme Tierquälerei. Hier erfahrt ihr, warum.

1. Fische werden mit scharfen Haken aufgespießt

Hört es sich für euch wirklich nach Spaß an, wenn ihr euch vorstellt, jemand durchbohrt mit einem scharfen Haken eure Lippe? Oder der Haken steckt in eurem Rachen fest, im Auge, im Magen, in der Haut oder sonst wo in eurem Körper? [1] Ihr werdet dann aus eurer gewohnten Umgebung gezogen, wo ihr nicht atmen könnt, oft nach einem teils langen, ermüdenden Kampf, den die Angler auch „Drill“ nennen? Nein, das ist sicher kein Spaß!

Die Angelhaken sind übrigens auch für andere Lebewesen gefährlich, wenn sie an See- und Flussufern „vergessen“ oder verloren werden, denn auch Hunde, Vögel oder kleine Kinder können sich daran verletzen.

2. Fische empfinden Schmerzen

Von einem Angelhaken durchbohrt zu werden, ist in keiner Weise mit einem Piercing beim Menschen zu vergleichen – oder werdet ihr an der Lippe, der Nase oder irgendwo sonst an der frischen Wunde aus dem Wasser an Land gezerrt? Wem bei dem Gedanken ein kalter Schauer über den Rücken läuft, weil das einfach nur brutal und schmerzhaft klingt: Fische fühlen das genauso, wie es auch Hunde fühlen würden, wenn sie aufgespießt werden. Denn Fische spüren Schmerzen, das zeigen Studien seit vielen Jahren.

3. Fische ersticken an Land qualvoll

Fische filtern mit ihren Kiemen Sauerstoff aus dem Wasser. Das geht an Land nicht. Sobald sie aus dem Wasser gezogen werden, wird ihre Sauerstoffzufuhr unterbrochen – sie bekommen keine Luft mehr, was Stress und Panik auslöst. Andersrum erklärt: Viele Menschen fürchten einen Tod durch Ertrinken, da sie dabei ersticken. Keine Luft zu bekommen, egal, wie verzweifelt man danach schnappt, ist eines der schlimmsten Gefühle überhaupt. So geht es vermutlich auch Fischen, wenn man sie aus dem Wasser zieht. Beim Catch and Release werden die Tiere dann zusätzlich noch nach Größe und Gewicht gemessen – und das nicht in einer Sekunde. Versucht mal, Luft zu bekommen, wenn ihr einen Panikanfall habt. Wenn dann noch jemand vor der Kamera mit euch als „Trophäe“ posiert, um sich „toll“ zu fühlen, ist das einfach nur Quälerei.

4. Handling von Fischen kann Schleimhaut und Schuppen schädigen

Menschen sollten Fische einfach in Ruhe lassen. Wenn Angler die Fische beispielsweise anfassen oder gar herumreichen, kann das deren empfindliche Schleimhäute oder die Schuppen schädigen. Diese schützen die Tiere aber vor Infektionen, Bakterien, Pilzbefall und Parasiten. Damit Angler in den sozialen Netzwerken angeben können, werden die Fische beim Wiegen und Messen meist grob behandelt. Das löst nicht nur Stress und Erstickungsgefahr aus, sondern kann auch indirekt zum Tod führen.

5. Viele der zurückgeworfenen Fische sterben

Wissenschaftler untersuchten in einer 2017 publizierten Studie aus den USA, wie viele der Forellen, die beim Catch and Release gefangen und danach wieder zurück ins Wasser gesetzt werden, starben. Es waren 40 bis 50 Prozent. [1] Zurückgesetzte Fische können an ihren Verletzungen oder am Druck- oder Temperaturunterschied zwischen Wasser und Land sterben. Sie werden von anderen Fischen getötet, weil sie traumatisiert und so leichte Beute sind. Viele sterben an Infektionen oder an äußeren oder inneren Verletzungen, zum Beispiel wenn die Schwimmblase reißt [1]. Es stimmt also nicht, dass es den Fischen nichts ausmachen würde, nach dem Angeln wieder zurückgesetzt zu werden. Sie leiden und viele sterben sogar.

6. Der Temperaturunterschied setzt Fischen zu

Wer schon mal in einem See schwimmen war, der weiß, dass es kälter wird, je tiefer es wird. Wird ein Fisch nun urplötzlich an Land gezogen, kann dieser Temperaturunterschied einen Einfluss auf die Sterberate der Fische haben. Eine Studie zeigt, dass je größer der Temperaturunterschied, desto höher die Sterblichkeit. [1]

7. „Spaß-Angeln“ ist per Gesetz verboten

Einfach so aus „Spaß“ Fische zu angeln, um sie dann wieder zurückzuwerfen, ist außerdem eine Straftat und verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Denn dabei werden einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zugefügt. Das heißt aber nicht, dass Fische, die zu dem Zweck geangelt werden, gegessen zu werden, weniger leiden. Im Gegenteil. Wer Fische schützen möchte, der sollte Fische nicht länger wie Spielzeug behandeln und sie zudem auch komplett von seinem Speiseplan streichen. Das Gute: Es gibt superviele und leckere vegane Fischalternativen!

Angeln ist schlimm für Fische – der einzelne Fisch leidet am Haken genauso wie bei der industriellen Fischerei! Erfahrt mehr darüber, was die Fischerei den Tieren und unserem Planeten antut!

[1] Sitar, Shawn P. et al. (2017) Recreational Postrelease Mortality of Lake Trout in Lakes Superior and Huron, North American Journal of Fisheries Management, 37:4, 789-808, DOI: 10.1080/02755947.2017.1327, (eingesehen am 24.03.2021)