In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gibt es bald endlich keine Schulmilch mehr

Nicht aus den besten Gründen, aber mit dem richtigen Ergebnis: Für die Schulmilch werden keine Kälber mehr getötet.

Die Gründe sind ein bisschen kompliziert: Eigentlich gibt es ab 2017 mehr EU-Fördergelder für Schulmilch, aber die Bundesländer können jeweils selbst entscheiden, wie sie diese Gelder einsetzen. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben beschlossen, statt täglich vergünstigter Schulmilch nur noch ein- oder zweimal wöchentlich Milch auszuteilen, die aber noch billiger oder sogar kostenlos. Die Milchwirtschaft findet diese neuen Regelungen aber logistisch zu kompliziert und stellt die Lieferung deshalb komplett ein.

Damit geht wenigstens in diesen beiden Bundesländern endlich ein Programm zuende, das von Anfang an nur ein billiger Trick der Milchindustrie war, um Menschen frühzeitig an ihre Produkte zu binden. Offiziell sollte die vergünstigte Milch mal dafür sorgen, dass Kinder nicht hungrig oder mangelernährt im Unterricht sitzen; mit gesunder Ernährung hat Milch aber nicht viel zu tun. Die Milchindustrie trennt Kuhmütter und Kälber direkt nach der Geburt und schickt männliche Kälber meist bald zum Schlachter, um die Milch an Menschen verkaufen zu können, für die es viel bessere Kalziumquellen gibt und bei denen Kuhmilch oft sogar mit einem erhöhtem Osteoporoserisiko in Verbindung gebracht wird. Viel gesünder ist es, für die Schulernährung auf Gemüse und Obst zu setzen, was von der EU zum Glück auch gefördert wird.

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Was jeder über Milch wissen sollte
Go Vegan!

Die Werbetricks der Milchindustrie

Kuhmilch ist nur deshalb ein Grundnahrungsmittel, weil die Industrie das so will. Auf diese Marketingtricks fallen immer noch viel zu viele Leute herein.

Der Trick mit der Natürlichkeit

Dass Menschen Milch trinken, ist ganz natürlich – solange sie Babys sind und es um menschliche Muttermilch geht. Dass der Mensch als einzige Spezies auch nach dem Säuglingsalter noch Milch zu sich nimmt, ohne das groß zu hinterfragen, hat mit jahrelanger Werbung zu tun. Wir haben uns so an die Packung Kuhmilch im Kühlschrank gewöhnt, dass wir kaum je darüber nachdenken, wie sie dorthin gekommen ist. Und dass es wenig mit Natürlichkeit zu tun hat, massenhaft Tiere einzusperren, um ihnen die Drüsen leerzupumpen und das, was rauskommt, dann zu trinken. Milch ist Tiernahrung, auch wenn die Industrie uns das gerne vergessen lässt.

Der Trick mit der Schulmilch

Wie bindet man Menschen möglichst langfristig an ein Produkt? Klar, indem man sie schon als Kind daran gewöhnt. Deshalb sind große Milchproduzenten auch so scharf darauf, Schulen zu reduzierten Preisen mit Kuhmilch zu beliefern und das als Beitrag zur allgemeinen Gesundheit zu feiern. Wir lernen so schon früh: Milch muss was ganz schön Gutes sein, wenn sogar die Schulen sie im großen Stil fördern. Aber so sinnvoll es auch sein mag, Kinder in nahrungsarmen Zeiten und Regionen mit Lebensmitteln zu versorgen: Obst, Gemüse und Vollkornprodukte wären dafür um Einiges besser geeignet als die Vanillemilch aus dem Tetrapak – nur dass hinter denen keine so große Lobby steckt.

Der Trick mit der eigenen Nahrungsgruppe

In der traditionellen Ernährungspyramide haben Kuhmilch und Kuhmilchprodukte ihr eigenes Feld. Das ist ungefähr so willkürlich, als würde man Sesam und Sesamprodukte zur eigenen Nahrungsgruppe erklären, weil sie eine so tolle Eiweißquelle sind und dazu so vielfältige Dinge wie Tahin, Hummus, Sesammilch und Sesambrötchen gehören. Sesam ist gesund, aber wir würden nie darauf kommen, dass wir ihn als Grundnahrungsmittel brauchen. Die Milchindustrie hat genau das aber für Milchprodukte geschafft, auch wenn es dafür keine guten Gründe gibt.

So sieht es übrigens wirklich in der Milchindustrie aus:

Der Trick mit dem Kalzium

Wer an starke Knochen denkt, denkt an Kalzium. Und wer an Kalzium denkt, denkt an Milch. Das hat uns die Milchindustrie so beigebracht, auch wenn es tolle vegane Kalziumquellen wie Brokkoli, Tofu oder Feigen gibt und Studien immer wieder zeigen, dass die Osteoporose-Raten in Ländern mit hohem Milchkonsum am höchsten ist. Kuhmilch ist keine besonders gute Kalziumquelle für Menschen, und sie wird sogar mit negativen gesundheitlichen Effekten wie verstärkter Akne und einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs in Verbindung gebracht.

Der Trick mit dem Verband

Und warum glauben wir der Milchindustrie das alles einfach so? Weil wir sie nicht als Geschäftemacher mit eigenen Interessen wahrnehmen. Wenn uns einzelne Firmen wie Danone, Bärenmarke oder Dr. Oetker so viele positive Behauptungen über ihre Produkte andrehen wollen würden, wären wir skeptisch, schließlich wissen wir, dass diese Firmen ihr Geld damit verdienen. Deshalb haben sich diese Firmen – und noch viele mehr – zum Milchindustrie-Verband zusammengeschlossen. Und wenn der mit seinen Marketingtricks an die Schulen, ins Fernsehen und in Ernährungsprogramme geht, wirkt das nicht mehr wie Werbung einer einzelnen Marke, sondern eher wie ein fürsorgliches Programm, mit dem Wissenschaftler und Experten uns nur Gutes wollen. Dass dahinter eine riesige Lobby von Konzernen steht, merken wir nicht.