Patrik Baboumian im Interview: Einsatz gegen Speziesismus

Der Kraftsportler Patrik Baboumian lebt seit zehn Jahren vegan. Im Interview hat er uns mehr über seinen Einsatz für die Tiere erzählt. Jetzt lesen!

06.Dez 2021

Kraftsportler Patrik Baboumian lebt seit zehn Jahren vegan. Kurz vor der Entscheidung, vegan zu werden, hat er als Vegetarier den Titel „Stärkster Mann Deutschlands“ errungen. Seitdem setzt Patrik sich seit vielen Jahren für Tiere und ihre Rechte ein. Im Dezember 2021 ist zu seinem zehnjährigen Jubiläum unter dem Motto „Pflanzenfresser“ ein neues PETA-Motiv entstanden, auf dem sich der Profisportler weiterhin in Bestform zeigt und sich gemeinsam mit uns gegen Speziesismus einsetzt.

Anlässlich des Jubiläums haben wir ein Interview mit dem 42-Jährigen geführt, in dem er unter anderem darüber spricht, warum er vegan geworden ist, wer ihn inspiriert und was sein Lieblingsessen ist.

Kraftsportler Patrik Baboumian setzt sich gegen Speziesismus ein

Mit dem „Pflanzenfresser“-Motiv möchten wir gemeinsam mit Patrik Baboumian Aufmerksamkeit auf das Thema Speziesismus lenken. „Wir wollen Speziesismus bekämpfen und darauf aufmerksam machen, dass es sowas überhaupt gibt“, erzählt Patrik. Er definiert Speziesismus so: „Speziesismus ist die Ideologie, dass wir uns als Menschen als wichtiger oder wertvoller erachten als andere Spezies. Da gibt es Parallelen zu Sexismus und Rassismus, wobei es darum geht, andere zu unterdrücken. Mit der Einstellung, dass eine Gruppe mehr wert sei als andere Lebewesen, rechtfertigen wir die Unterdrückung und das Leid der anderen Gruppe. Das ist bei Speziesismus genau wie bei anderen Arten der Diskriminierung der Fall.“

Vielen Menschen sei jedoch nicht bewusst, dass sie etwas Falsches machen, meint Patrik. „Deswegen versuchen wir, das aus den Köpfen der Menschen rauszubekommen und Menschen zu inspirieren.“

Patrick Baboumian PETA Motiv

„Ich hab festgestellt, dass ich als Vegetarier noch speziesistisch unterwegs bin!“

Auf die Frage, warum Patrik sich Ende 2011 dazu entschieden hat, vegan zu werden, antwortet er: „Ich war ja vorher schon Vegetarier, eigentlich um Tierleid zu vermeiden. Und ich hab einfach irgendwann festgestellt, dass ich als Vegetarier noch ziemlich speziesistisch unterwegs bin mit meinem Milchkonsum und mit den Eiern, die ich gegessen habe. Ich wollte es halt besser machen, ‘nen besseren Job machen, konsequenter sein, um Tierleid zu vermeiden. Letztendlich ging es nicht daran vorbei, dass ich vegan geworden bin. Es hat mich etwas Zeit gekostet, weil ich mir nicht sicher war, ob ich es hinkriege. Aber letztendlich habe ich mir dann gedacht: Du hast so viele Sachen in deinem Leben schon gemacht, die du nicht für möglich gehalten hast – du kriegst das auch hin. Und ich war dann auch ziemlich geschockt, weil ich dachte, es wird schwer und kompliziert und im Endeffekt war’s leicht und hat mir nur Vorteile gebracht.“

Seit vielen Jahren setzt Patrik sich aktiv für Tiere und ihre Rechte ein. Der Umstieg auf eine vegane Ernährung ist ihm 2011 überraschend leichtgefallen: „Das war auch die Motivation, dann zu sagen, ‚ich will eigentlich raus, ich will das allen Leuten erzählen‘, weil ich diese krassen positiven Erfahrungen gemacht habe und mir gedacht habe: Wenn das die Leute wüssten, dann würden das viel mehr Leute machen.“

„Schon als Kind wollte ich stark sein und stark aussehen“

Patrik hat uns erzählt, dass Sport und die Begeisterung für das Hobby schon immer Teil seines Lebens waren: „Ich hab mit 14 mit Kraftsport angefangen und dementsprechend mache ich eigentlich Sport, seitdem ich denken kann. Meine Faszination für Kraftsport ist sogar noch älter: Ich hab Erinnerungen, als mein Papa noch gelebt hat, der ist gestorben als ich vier war, das sind also wirklich die ersten Erinnerungen, die ich habe. Da haben meine Eltern die Serie „Der unglaubliche Hulk“ geguckt. Ich war immer ganz geschockt, wenn diese Transformationen von Bruce Banner zu Hulk kamen – bin da schreiend unterm Tisch rumgerannt. Das sind die ersten Bilder, die ich in meinem Kopf habe von muskulösen Männern und das hat mich als Kind schon krass fasziniert. Dementsprechend war diese Idee, stark sein zu wollen und stark auszusehen, schon in meine DNA eingebrannt, schon in ganz frühen Zeiten.“

„Meine heutige Fitness hat viel mit meiner Ernährung zu tun“

Patrik ist der Meinung, dass mit der Entscheidung für eine vegane Ernährung viele gesundheitliche Vorteile verbunden sind und er sich heute fitter fühlt als jemals zuvor:

„Jetzt sind es ja genau zehn Jahre, seit ich vegan geworden bin. Wenn ich jetzt zurückdenke: Ich hab ja schon ganz, ganz früh ganz krasse positive Erfahrungen gemacht, was gesundheitliche Sachen angeht und dann auch fünf Jahre lang Leistungssport gemacht und mich wirklich von Jahr zu Jahr noch verbessert. Wenn ich jetzt auf die gesamten zehn Jahre zurückgucke, also ich bin jetzt 42 – ich fühle mich deutlich fitter als vor zehn Jahren, als ich 32 war. Ich glaube, dass das zu einem ganz großen Anteil mit meiner Ernährung zu tun hat. Gerade was Parameter wie Herz-Kreislauf-Geschichten angeht, also kardiovaskuläre Probleme als Nummer-1-Killer in der Gesellschaft.“

Von den für Kraftsportler:innen typischen gesundheitlichen Beschwerden merkt er nichts – im Gegenteil: „In meinem Sport ist es so, sämtliche Bodybuilder, sämtliche Kraftsportler haben irgendwann Probleme mit dem Herzen. Meine Werte sind außerirdisch: Teilweise habe ich einen Ruhepuls von 45, ich hab einen so niedrigen Blutdruck, dass ich manchmal aufpassen muss, dass mir nicht schwindelig wird. Das ist krass für jemanden, der technisch gesehen Übergewicht hat und viel zu viel Muskeln mit sich rumträgt. Ich bin mir 100 Prozent sicher, dass das mit der Ernährung zusammenhängt, weil so war es nicht, bevor ich vegan wurde – ich hab vorher auch hohen Blutdruck gehabt. Heute ist das alles weg.“

Patrik Baboumian gönnt sich auch mal Schokolade

Auf die Frage, was sein Lieblingsessen ist, hat Patrik geantwortet, dass sich das öfter mal ändert: „Ich hab früher sehr, sehr gerne Spaghetti italienischer Art gegessen – ob Napoli oder vegane Bolognese. In den letzten Jahren hat sich das mehr in Richtung indisch verschoben. Am liebsten esse ich den Tandoori-Curry-Auflauf mit Kichererbsen und Reis von meiner Frau – das schmeckt fantastisch.“ Die Antwort auf die Frage, was er sich gönnt, wenn er mal sündigt, ist eindeutig ausgefallen: „Schokolade! Schokolade ist mein Kryptonit. Das Schlimme ist, dass ich Schokolade ganz schlecht vertrage, ich bekomme davon ganz schlimme Haut – aber ich kann das nicht lassen. Ich liebe Schokolade.“

Diese Menschen inspirieren Patrik Baboumian

„Das ist schwierig. Ich hab verschiedene Vorbilder in verschiedenen Bereichen je nach Thema. Wenn‘s jetzt darum geht, was man so für Tierrechte in der Welt bewegen kann, dann würde ich tatsächlich sagen, […] dass Ingrid Newkirk für mich, unter den Menschen, die ich kenne, eine derjenigen ist, die wirklich unglaublich viel bewegt haben. Wenn es rein um den menschlichen Aspekt geht und wie man gut durchs Leben kommt und Mensch bleiben kann, dann ist es meine Mum, die leider vor eineinhalb Jahren verstorben ist. Sie hat mir beigebracht, worauf es im Leben ankommt und worauf es vor allem nicht ankommt: Die Oberflächlichkeiten zu ignorieren, mehr in die Tiefe zu gucken, einfach zu sehen, was im Leben wirklich wichtig ist – das habe ich von meiner Mama gelernt.“

„Während einer Diät bestimmten Sport und Struktur den Tag – sonst spiele ich auch gerne mal Videospiele“

Wie der Alltag von Patrik aussieht, hängt immer davon ab, was gerade so ansteht: „Zuletzt habe ich relativ lange Diät gemacht und dementsprechend auch sehr viel trainiert. Das heißt, dass der Tag schon durch Sport und Struktur bestimmt war. Aber wenn es nicht so eine krasse Phase ist, sieht mein Tag gar nicht so anders aus als bei anderen Menschen. Ich verreise natürlich auch viel – wenn die Welt nicht gerade in einer Pandemie ist und dementsprechend keine Veranstaltungen stattfinden, bin ich viel auf Events und ähnlichen Geschichten und viel unterwegs. Wenn ich zu Hause bin, habe ich einen relativ ruhigen Tag. Also ich esse gerne und mache natürlich auch Sport. Ansonsten habe ich seit meiner Kindheit eine Leidenschaft für Videospiele und wenn ich die Zeit dafür finde, mache ich das auch gerne – aber das ist leider selten der Fall, weil ich zu viele andere Sachen zu tun habe.“

„Auf Kritik reagiere ich meist mit Humor“

„Wenn ich auf Kritik stoße, versuche ich möglichst mit einem Augenzwinkern darauf zu reagieren und das witzig zu verpacken“, antwortet Patrik auf die Frage, wie er mit Kritik an seiner veganen Lebensweise umgeht. „Der Grund dafür ist, dass das ethisch ein schwieriges Thema ist – und ich versuche, das aufzulockern. Wenn Kritik stumpfsinnig kommt, was auf Social Media oft der Fall ist, dann auch manchmal mit dem Holzhammer: Eine Sache, auf die ich allergisch reagiere, ist Ignoranz. Das gibt’s leider in der Gesellschaft sehr viel, dass Leute einfach keine Lust haben, zu denken und auch mal tiefer zu denken, aber gerne ihr Mundwerk benutzen – da kann ich leider dann auch nicht mehr freundlich bleiben.“

Auch Einzelpersonen können etwas bewirken: „Jeder Regensturm besteht aus einzelnen Tropfen“

Um mehr Menschen zu einem Umdenken, Handeln und Aktivismus zu bewegen, möchte Patrik den Menschen gerne sagen, dass jede:r Einzelne etwas bewirken kann: „Ich glaube, viele Menschen halten sich selbst einfach für zu unwichtig und haben deswegen so ne Scheiß-Egal-Einstellung, weil sie denken: ‚Ich kann als Individuum sowieso nichts verändern.‘ Das ist aber nicht so, weil jeder von uns hat ja ‘ne soziale Umgebung, wir haben ja ein Netzwerk von Leuten, das uns umgibt. Und wenn wir was gut machen und damit andere inspirieren, dann kann jeder von uns viel, viel mehr bewirken, als man denkt. Ich glaube, die meisten sind sich nicht bewusst, wie wichtig die einzelne Person ist. Klar, die Welt ist groß, aber sie besteht am Ende doch nur aus Einzelnen – jeder Regensturm besteht aus einzelnen Tropfen und kein Tropfen ist mächtiger als die anderen.“

Ihr möchtet die vegane Lebensweise auch ausprobieren? Dann macht bei dem Veganstart-Programm mit!

Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, euch auch für Tiere einzusetzen, dann könnt ihr das am besten, wenn ihr euch für eine tierfreundliche Lebens- und Ernährungsweise entscheidet.

Unser Veganstart-Programm versorgt euch beim Umstieg 30 Tage lang mit leckeren Rezepten und hilfreichen Tipps. Meldet euch jetzt an – kostenlos und unverbindlich!

Veganstart

Bereit, das mit dem veganen Leben mal auszuprobieren? Dann holt euch unsere Veganstart-App und erhaltet 30 Tage lang Tipps, Rezepte und Infos – so fällt tierleidfrei leicht.
App Store Google Plat

Unterhaltung

Weil es gar nicht so lustig ist.
Mehr Erfahren

Go Vegan!

Rapper Nedal Nib mit neuem Song „Tiere“

Nedal Nib lebt seit drei Jahren vegan und setzt seine Reichweite im Rap für Tiere ein.

06.Dez 2021

Der Musiker Nedal Nib ist in der Rap-Szene vor allem aus dem Genre Battle-Rap bekannt. Als Musiker nutzt der Veganer seine Stimme, um auf Missstände im Umgang mit Tieren aufmerksam zu machen. In seinem neusten Song „Tiere“ thematisiert der Hannoveraner die Klimakatastrophe, die Ausbeutung sogenannter Nutztiere und Speziesismus.

„Geht es so weiter, ist das Meer in 50 Jahren leer gefischt. 

Das Klima gibt Signale, doch offenbar lernen wir nicht. 

Zerstören die Natur, obwohl sie unentbehrlich ist, und 

eines Tages wehrt sie sich.“ [1] 

Nedal Nib

„Tiere“ ist eine Single-Auskopplung aus Nedal Nibs Debüt-Album „Life is Battle“. Bereits im vergangenen Jahr veröffentliche Nedal mit dem Song „Menschen“ einen Rap-Song für Tiere. In einem Interview im September 2021 mit dem Hip-Hop-Portal TV-Strassensound erzählt Nedal, dass er seit ungefähr drei Jahren vegan lebt.[2] Er spricht außerdem darüber, wie es dazu kam: Nachdem er in einem Video einen Vortrag gesehen hat, haben die Argumente ihn so überzeugt, dass er seither nie wieder tierische Produkte konsumierte.

In seinem Song thematisiert der Rapper, dass Bio-Fleisch keine Alternative ist und dass auch für die vegetarische Ernährung Tiere ausgebeutet, gequält und getötet werden. Am Ende des Musikvideos zum Song „Tiere“ ist der Künstler mit zwei Messern in der Hand zu sehen. Vor ihm sitzt ein Hund, der zu ihm heraufschaut. Diese Szene verdeutlicht Speziesismus – eine Form der Diskriminierung gegenüber nicht-menschlichen Tieren. Denn Speziesismus ist die Annahme, der Mensch sei anderen Arten überlegen und hätte daher das Recht, sie nach ihrem „Nutzen“ für sich einzuteilen. Wir sprechen den Tieren dabei ihre Bedürfnisse ab, weil wir das Wohl des Menschen höher bewerten und uns allen anderen Lebewesen überlegen fühlen.

„Ich mach den Mund auf, für die, die man vergessen hat”

Nedal ist übrigens auch Sportler. Seine Leidenschaft liegt beim Thai Boxen, einer traditionellen Kampfkunst aus Thailand – eine intensive Sportart, bei der es auf Kraft, aber vor allem auf Ausdauer und die Fähigkeit der Fokussierung ankommt. Nedal zeigt, dass veraltete Denkweisen, wie dass Sportler:innen nicht vegan leben könnten, längst überholt sind.

Nedal Nib fuettert Bock

Was du für die Tiere tun kannst 

Der Rapper erzählt im Interview mit TV-Strassensound, dass der Schritt zu einer veganen Lebensweise bei ihm vieles aufgeworfen habe, es ihm seit dem Entschluss vor drei Jahren besser denn je gehe.

Falls du noch darüber nachdenkst, dich für eine vegane Lebensweise zu entscheiden, dann teste doch mal die „Veganstart“-App von PETA Deutschland. Hier bieten wir dir ein kostenloses 30-tägiges Programm, das dich auf deinem Weg zu einer veganen Lebensweise unterstützt. Du findest Hintergrundwissen zu Tierrechtsthemen, bekommst Rezepte und konkrete Tipps für die Umstellung deiner Gewohnheiten an die Hand.