Soy Boy: Das steckt hinter der Beleidigung & der Tofu-Lüge

Im Internet werden männliche Nutzer immer öfter als „Soy Boy“ beleidigt. Erfahrt hier, was dahinter steckt und warum das uncool & wissenschaftlich falsch ist!

02. März 2021

Soja macht Männer unmännlich – ein Gerücht, das sich seit Jahren hartnäckig hält. Vor allem im Internet ist dieser Irrglaube weit verbreitet: In Online-Communitys und in Memes findet immer häufiger der Ausdruck „Soy Boy“ Verwendung, um männliche Personen herabzustufen und somit zu beleidigen. Abgesehen davon, dass solche Beleidigungen noch nie cool waren und heute nicht mehr zeitgemäß sind, tragen Soja und verarbeitete Sojaprodukte wie Tofu nicht dazu bei, dass Männer weiblicher werden.

Soja enthält Soja-Isoflavone, die auch Phytoöstrogene genannt werden. Soja-Isoflavone werden oft mit einem erhöhten Östrogenspiegel in Verbindung gebracht, weil sie dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen ähneln. Daher führe hoher Sojakonsum bei Männern zu einer verminderten Spermienanzahl, weniger Testosteron, weniger Lust auf Sex, Erektionsstörungen und „Männerbrüsten“; vor allem im Internet sind fälschlicherweise viele der Meinung, dass ein hoher Sojakonsum bei Männern zur „Verweiblichung“ führt.

Diese Behauptungen über den Sojakonsum und seine Folgen lassen sich jedoch nicht mit den Positionen vieler Ernährungsgesellschaften und dem aktuellen Stand der Wissenschaft vereinbaren: [1] Soja kann in jeder Lebensphase einschließlich der Kindheit und Jugend von Männern und Frauen ohne Bedenken verzehrt werden und sogar gesundheitliche Vorteile bieten. Entgegen vieler Behauptungen führt Sojakonsum nicht zu einer vorzeitigen Geschlechtsreife und schadet auch nicht der Fortpflanzungsfähigkeit von Männern. [2] Eine Untersuchung ergab, dass Östrogene weder die Geschlechtsidentität noch die sexuelle Orientierung beeinflussen, dafür aber positive Einflüsse auf die sexuelle Aktivität von Männern haben können. [3]

Tierversuche sind Schuld an der weit verbreiteten Soja-Lüge

Die Annahme, dass Sojakonsum Männer verweiblichen könnte, lässt sich vor allem auf Ergebnisse von Tierversuchen zurückführen – ein weiteres Beispiel dafür, dass Tierversuche nicht einfach auf den Menschen übertragbar sind. Ein Lebensmittel muss nicht zwingend dieselben Auswirkungen auf unterschiedliche Spezies haben.

In zwei klinischen Studien wurden die Auswirkungen von Isoflavonen auf die Spermienqualität des Menschen getestet: Beide Untersuchungen haben ergeben, dass Phytoöstrogene keine negativen Auswirkungen haben. In der ersten Studie haben die Probanden zwei Monate lang Isoflavon-Supplemente erhalten und dadurch so viel Phytoöstrogene aufgenommen, die der Menge des durchschnittlichen japanischen – und weltweit einem der höchsten – Sojaverzehrs entsprechen. Das Ergebnis: Qualität und Quantität des Spermas haben sich nicht verschlechtert. [4] Die andere Studie ergab, dass im direkten Vergleich weder schwach isoflavonhaltiges noch stark isoflavonhaltiges Sojaproteinisolat bei den Teilnehmern negative Auswirkung auf die Samenqualität hatte. [5]

Bei einer Metaanalyse, in der alle wichtigen Daten ausgewertet wurden, kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass Soja grundsätzlich keinen negativen Effekt auf den Testosteronspiegel und die Fruchtbarkeit hat. [6]

Soja ist sogar gesundheitsfördernd

Mittlerweile gibt es einige Forschungen, die zeigen, dass die in Soja enthaltenen Phytoöstrogene besonders bei langjährigem und regelmäßigem Verzehr präventiv gegen einige Krankheiten wirken können. Studien konnten zum Beispiel zeigen, dass Soja-Isoflavone positive Einflüsse auf den Cholesterinspiegel und zu hohen Blutdruck haben und präventiv gegen verschiedene Krebsarten wirken können. [2] Entgegen einem weiteren weit verbreiteten Irrglauben ist Soja also nicht ungesund, sondern enthält neben gesunden Fetten, Ballaststoffen und Kalzium auch Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen und Zink. Außerdem gehören Soja und Sojaprodukte zu den besten Proteinquellen.

Um das Thema Soja bzw. Tofu ranken sich viele Mythen – in den meisten Fällen ist da nicht viel Wahres dran. Soja und Sojaprodukte sind meist viel besser, als ihr Ruf vermuten lässt. Viele behaupten zum Beispiel auch, dass Tofu nach nichts schmeckt. Mit der richtigen Zubereitung, beispielsweise mit einer leckeren Zitronen-Kräutermarinade, ist das definitiv nicht der Fall. Außerdem wird der Regenwald nicht – wie oft behauptet – für Soja gerodet, das wir Menschen essen, sondern, um Soja für die sogenannte Tierfutterindustrie anzubauen.

Soja schadet also weder der Gesundheit noch der Umwelt – ganz im Gegenteil! Und mit dem Umstieg auf eine vegane Lebensweise tut ihr nicht nur euch selbst und der Umwelt etwas Gutes, sondern helft auch unzähligen Tieren, die in der Lebensmittelindustrie ausgebeutet werden.

 

[1] Niko Rittenau (2019, 5. Auflage): Vegan-Klischee ade! Wissenschaftliche Antworten auf kritische Fragen zu veganer Ernährung. Ventil Verlag UG & Co. KG, Mainz

[2] The Israel Dietitians and Nutritionists Association & The Ministry of Health (2005): Updated information on Soy Consumption and Health Effects, https://www.health.gov.il/english/topics/foodandnutrition/nutrition/adequate_nutrition/soy/pages/default.aspx (eingesehen am 22.02.2021)

[3] Carani, Rochira, Faustini‐Fustini, Balestrieri & Granata (2001): Role of oestrogen in male sexual behavoiur: insight from the natural model of aromatase deficiency. Clinical Endocrinology, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1046/j.1365-2265.1999.00849.x?sid=nlm%3Apubmed (eingesehen am 22.02.2021)

[4] Mitchell, Cawood, Kinniburgh, Provan, Collins & Irvine (2001): Effect of a phytoestrogen food supplement on reproductive health in normal males. Clinical Science, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11352776/ (eingesehen am 22.02.2021)

[5] Beaton, McVeigh, Dillingham, Lampe & Duncan (2010): Soy protein isolates of varying isoflavone content do not adversely affect semen quality in healthy young men. Fertility and Sterility, https://www.fertstert.org/article/S0015-0282(09)03594-8/fulltext (eingesehen am 22.02.2021)

[6] Hamilton-Reeves, Vazquez, Duval, Phipps, Kurzer & Messina (2010): Clinical studies show no effects of soy protein or isoflavones on reproductive hormones in men: results of a meta-analysis. Fertility and Sterility, https://www.fertstert.org/article/S0015-0282(09)00966-2/fulltext (eingesehen am 22.02.2021)

Ernährung

Warum ihr euch bewusst machen solltet, was ihr esst.
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UNMILK: Diese veganen Protein-Drinks gibt‘s jetzt bei ROSSMANN

In fast allen ROSSMANN-Filialen gibt‘s jetzt drei neue pflanzliche Protein-Drinks des Hamburger Start-ups UNMILK.

02. März 2021

Vielleicht habt ihr sie schon bei ROSSMANN entdeckt: die veganen Protein-Drinks von UNMILK. Die gibt es bereits seit November 2020 in fast allen Filialen der Drogeriekette in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen: Schoko, Spicy Vanilla und Caffè. Seit Februar 2021 gibt’s auch eine neutrale Milchalternative.

Mitten in der Corona-Pandemie gründete Jennifer Schäfer aus Hamburg das Start-up UNMILK, weil sie was gegen den Mangel an veganen Eiweiß-Drinks auf dem Markt tun wollte. Kurzerhand brachte sie einfach ihre eigene pflanzliche Alternative raus.

UNMILK GmbH

Die Drinks bestehen aus einem Mix aus Hafer und Erbsenprotein und sind perfekt für jeden sportlichen und gesundheits- und umweltbewussten Tierfreund. Und auch Allergiker dürfen sich freuen, denn UNMILK ist frei von Gluten, Nüssen und Soja. Also ran ans Protein!

Im Februar wurde das (Online-)Sortiment um eine geschmacklich neutrale Milchalternative ergänzt: Die UNMILK ohne Sortengeschmack ist das Protein-Upgrade der herkömmlichen Alternativen. Die große UNMILK eignet sich perfekt fürs Frühstück, zum Backen und Kochen. Die neutrale Sorte schmeckt außerdem im Kaffee oder pur! Die Basis bilden glutenfreier Hafer und Erbsenprotein. Das Produkt kommt ohne Zuckerzusatz und Süßungsmittel aus – dafür enthält eine Packung mit 60 (!) Gramm Protein extra viel Calcium, Vitamin D2 und B12. Ab Mitte März gibt es die große UNMILK deutschlandweit in den ROSSMANN-Filialen.

Und wenn ihr eh schon mal bei ROSSMANN seid, könnt ihr euch ruhig gleich im ganzen veganen Sortiment austoben.