Was ist Speziesismus?

Kompliziertes Wort, einfache Erklärung: Warum es wichtig ist, dass wir das Prinzip Speziesismus verstehen.

Wer sich in veganen Kreisen herumtreibt, hat den Begriff vielleicht schon mal gehört: Speziesismus. Damit ist der menschliche Glaube daran gemeint, dass bestimmte Spezies anderen überlegen sind. Diese Vorstellung zeigt sich auf zwei Arten: Erstens denken Menschen, dass sie selbst wichtiger sind als alle anderen Tiere. Und zweitens denken sie, dass es okay, Tiere je nach ihrem Zweck für den Menschen zu unterscheiden, also zum Beispiel einige von ihnen als „Nutztiere“ zu sehen und andere nicht.

Deshalb hängt der Speziesismus auch eng mit dem Karnismus zusammen, also dem Glaubenssystem, das dafür sorgt, dass wir beispielsweise Schweine essen, Hunde aber nicht. Das Absurde am Speziesismus ist jedenfalls, dass er keine sinnvolle Begründung hat. Schweine etwa sind sehr schlaue und liebe Tiere, und es gibt keinen Grund, sie zu essen, während man das bei Hunden total unmöglich finden würde. Und woher nehmen sich Menschen das Recht, Tiere schlecht zu behandeln, nur weil sie sich selbst für klüger halten? Wir legen schließlich sonst auch Wert auf ethische Prinzipien und Gerechtigkeit und essen nicht direkt jeden, der ein paar IQ-Punkte weniger hat als wir. Speziesismus ergibt also ziemlich wenig Sinn.

Zum Weiterlesen: Warum der Mensch nicht an der Spitze der Nahrungskette steht.

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Warum der Mensch nicht an der Spitze der Nahrungskette steht

Wir Menschen sind den Tieren überlegen, deshalb ist es okay, wenn wir sie essen? Dahinter steckt ein alter Denkfehler.

© Wade Lambert / Unsplash

„Die Nahrungskette“ gibt es gar nicht

Schon die Grundannahme ist verkehrt. Denn in der Natur gibt es nicht die eine Nahrungskette, auf der sich sämtliche Pflanzen- und Tierarten nacheinander aufreihen, sondern eher viele verschiedene Nahrungsnetze. Klar, denn wie sollen zum Beispiel ein Eisbär und eine tropische Pflanze in dieselbe Kette gehören, wenn der eine der anderen im echten Leben niemals über den Weg laufen wird? Es gibt also sowieso nicht die eine Nahrungskette, an deren Spitze der Mensch stehen könnte.

Menschen sind nicht „von Natur aus“ überlegen

Die meisten Menschen hätten beim Anblick eines Bären in der Wildnis nicht unbedingt das Bedürfnis, direkt kraftvoll zuzubeißen, sondern würden lieber ganz schnell wegrennen, und das ist auch vernünftig. Schließlich würde ein unbewaffneter Mensch im direkten Kampf mit einem größeren und stärkeren Tier ziemlich sicher verlieren. Dass wir Tiere halten, töten und essen liegt nicht an einer „natürlichen“ Überlegenheit, sondern daran, dass sich die Menschen mithilfe ihrer Intelligenz Mittel und Werkzeuge ausgedacht haben, um sich die Tiere zu unterwerfen.

Werkzeuge sind nicht „natürlich“

Ist doch egal, mit welchen Mitteln es die Menschen geschafft haben, sich Tiere unterzuordnen, sagen manche Leute, Hauptsache, sie haben es. Das Problem an diesem Argument ist nur, dass es mit der Idee einer „natürlichen“ Nahrungskette nichts mehr zu tun hat. Gerade dank unserer Intelligenz haben wir uns so weit entwickelt, dass Essen viel mehr Kultur als Natur ist. Selbst mit der Erfindung von Werkzeugen übernehmen die allerwenigsten von uns schließlich das Jagen und Töten von Tieren selbst, sondern wir gehen eher in den Supermarkt oder in ein Restaurant und lassen uns das Fleisch portionsgerecht vorsetzen. Dank unserer Intelligenz und unserer Werkzeuge sind wir nicht darauf angewiesen, das erstbeste Tier zu erlegen, das uns über den Weg hoppelt, sondern wir können selbst entscheiden, was wir essen wollen und was nicht. Dabei legen wir ganz selbstverständlich moralische Maßstäbe an – denn wir würden zum Beispiel niemals sagen, dass besonders intelligente Menschen weniger intelligente Menschen essen dürfen oder dass es okay ist, mit einem Gewehr um sich zu schießen, weil man intelligent genug war, es zu erfinden. „Weil wir es können“ zählt als Argument in einer menschlichen Gesellschaft also nicht, deshalb gilt es auch nicht als Argument dafür, Tiere zu essen.

Noch mehr Stoff zum Nachdenken: Warum wir auch zwischen den Tieren willkürliche Unterschiede machen und zum Beispiel Schweine essen, Hunde aber nicht.