Neue Studie zeigt: Menschen können Kuhmilch von Pflanzenmilch unterscheiden

Die Milchindustrie hält ihre Kunden für zu dumm, um zu wissen, dass Sojamilch nicht aus Kühen kommt. Eine neue Studie zeigt, dass das Quatsch ist.

Verstehen Menschen, dass ein Produkt, das „Sojamilch“ oder „Reismilch“ heißt, nicht aus einem Kuheuter kommt? Die Milchindustrie hält ihre Kunden für zu dumm dafür und besteht deshalb auf Vorschriften, die nur Bezeichnungen wie „Sojadrink“ erlauben. So sollen Verwechslungen vermieden und die Kuhmilchtrinker davon abgehalten werden, versehentlich zur Sojamilch zu greifen.

Eine neue Studie belegt jetzt, was für ein Quatsch das ist. Nicht nur, weil Pflanzenmilch im Supermarkt meist anderswo einsortiert ist als Kuhmilch und anders aussieht (etwa mit Sojabohnen oder Hafer statt grasenden Kühen auf der Verpackung), sondern auch, weil die allermeisten Menschen das mit den Wörtern von alleine hinbekommen. Bei der Studie des International Food Information Councils wurden den Teilnehmern Begriffe wie „Vollmilch“, „Kokosmilch“ und „Mandelmilch“ vorgelegt und anschließend gefragt, welche dieser Produkte Kuhmilch enthielten. Durchschnittlich 75 Prozent der Teilnehmer bekamen das je Wort problemlos hin – und das häufigste Fehler hatte nicht etwa mit Pflanzenmilch zu tun, sondern mit dem Begriff „Laktosefreie Milch“, den nur fast die Hälfte als Kuhmilch erkannte. Sieht fast so aus, als müsste man nicht „Sojamilch“ zum „Sojadrink“ machen, sondern „Laktosefreie Milch“ zu „Laktosefreier Kuhmilch“...

Auch höchst verwirrend: Diese veganen Rezepte für Milchreis, Milchschnitte und Co. enthalten absolut keine Kuhmilch.

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Die Werbetricks der Milchindustrie

Kuhmilch ist nur deshalb ein Grundnahrungsmittel, weil die Industrie das so will. Auf diese Marketingtricks fallen immer noch viel zu viele Leute herein.

Der Trick mit der Natürlichkeit

Dass Menschen Milch trinken, ist ganz natürlich – solange sie Babys sind und es um menschliche Muttermilch geht. Dass der Mensch als einzige Spezies auch nach dem Säuglingsalter noch Milch zu sich nimmt, ohne das groß zu hinterfragen, hat mit jahrelanger Werbung zu tun. Wir haben uns so an die Packung Kuhmilch im Kühlschrank gewöhnt, dass wir kaum je darüber nachdenken, wie sie dorthin gekommen ist. Und dass es wenig mit Natürlichkeit zu tun hat, massenhaft Tiere einzusperren, um ihnen die Drüsen leerzupumpen und das, was rauskommt, dann zu trinken. Milch ist Tiernahrung, auch wenn die Industrie uns das gerne vergessen lässt.

Der Trick mit der Schulmilch

Wie bindet man Menschen möglichst langfristig an ein Produkt? Klar, indem man sie schon als Kind daran gewöhnt. Deshalb sind große Milchproduzenten auch so scharf darauf, Schulen zu reduzierten Preisen mit Kuhmilch zu beliefern und das als Beitrag zur allgemeinen Gesundheit zu feiern. Wir lernen so schon früh: Milch muss was ganz schön Gutes sein, wenn sogar die Schulen sie im großen Stil fördern. Aber so sinnvoll es auch sein mag, Kinder in nahrungsarmen Zeiten und Regionen mit Lebensmitteln zu versorgen: Obst, Gemüse und Vollkornprodukte wären dafür um Einiges besser geeignet als die Vanillemilch aus dem Tetrapak – nur dass hinter denen keine so große Lobby steckt.

Der Trick mit der eigenen Nahrungsgruppe

In der traditionellen Ernährungspyramide haben Kuhmilch und Kuhmilchprodukte ihr eigenes Feld. Das ist ungefähr so willkürlich, als würde man Sesam und Sesamprodukte zur eigenen Nahrungsgruppe erklären, weil sie eine so tolle Eiweißquelle sind und dazu so vielfältige Dinge wie Tahin, Hummus, Sesammilch und Sesambrötchen gehören. Sesam ist gesund, aber wir würden nie darauf kommen, dass wir ihn als Grundnahrungsmittel brauchen. Die Milchindustrie hat genau das aber für Milchprodukte geschafft, auch wenn es dafür keine guten Gründe gibt.

So sieht es übrigens wirklich in der Milchindustrie aus:

Der Trick mit dem Kalzium

Wer an starke Knochen denkt, denkt an Kalzium. Und wer an Kalzium denkt, denkt an Milch. Das hat uns die Milchindustrie so beigebracht, auch wenn es tolle vegane Kalziumquellen wie Brokkoli, Tofu oder Feigen gibt und Studien immer wieder zeigen, dass die Osteoporose-Raten in Ländern mit hohem Milchkonsum am höchsten ist. Kuhmilch ist keine besonders gute Kalziumquelle für Menschen, und sie wird sogar mit negativen gesundheitlichen Effekten wie verstärkter Akne und einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs in Verbindung gebracht.

Der Trick mit dem Verband

Und warum glauben wir der Milchindustrie das alles einfach so? Weil wir sie nicht als Geschäftemacher mit eigenen Interessen wahrnehmen. Wenn uns einzelne Firmen wie Danone, Bärenmarke oder Dr. Oetker so viele positive Behauptungen über ihre Produkte andrehen wollen würden, wären wir skeptisch, schließlich wissen wir, dass diese Firmen ihr Geld damit verdienen. Deshalb haben sich diese Firmen – und noch viele mehr – zum Milchindustrie-Verband zusammengeschlossen. Und wenn der mit seinen Marketingtricks an die Schulen, ins Fernsehen und in Ernährungsprogramme geht, wirkt das nicht mehr wie Werbung einer einzelnen Marke, sondern eher wie ein fürsorgliches Programm, mit dem Wissenschaftler und Experten uns nur Gutes wollen. Dass dahinter eine riesige Lobby von Konzernen steht, merken wir nicht.