Tierversuche für Kosmetik: Das Problem mit der REACH-Verordnung

Eigentlich dürfen für Kosmetik und deren Inhaltsstoffe innerhalb der EU keine Tierversuche durchgeführt werden. Durch die REACH-Verordnung passiert es trotzdem.

Seit März 2013 dürfen in der EU keine Tierversuche mehr für Kosmetik durchgeführt und auch keine Kosmetika mehr zum Verkauf in die EU eingeführt werden, deren Inhaltsstoffe an Tieren getestet wurden. Das hat die EU-Kommission schon 2003 entschieden. Eigentlich müssten also alle Kosmetikprodukte, die man in Deutschland kaufen kann, tierversuchsfrei sein. Viele Firmen verkaufen ihre Produkte aber auch auf dem chinesischen Markt, für den Tierversuche vorgeschrieben sind. Auch wenn diese Firmen für den deutschen Markt keine Tierversuche in Auftrag geben, sind sie also trotzdem nicht tierversuchsfrei. Und dann ist da noch die REACH-Verordnung, mit der auch die EU weiterhin Tierversuche fördert.

REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) ist das weltweit größte Tierversuchsprogramm. Es trat 2007 in Kraft und schreibt vor, dass Chemieunternehmen Informationen über die gesundheitlichen und umwelttechnischen Gefahren von fast allen Chemikalien vorlegen müssen – überwiegend als Ergebnis von Tierversuchen. Wenn das Unternehmen keine Ergebnisse vorweisen kann, müssen neue Versuche durchgeführt werden. Weil das für eine riesige Liste von Stoffen gilt, sind davon auch viele Inhaltsstoffe von Kosmetika betroffen. Die Kosmetikverordnung gilt nämlich nur für Produkte und Stoffe, die ausschließlich für kosmetische Zwecke verwendet werden; viele Chemikalien haben aber unterschiedliche Einsatzgebiete und fallen deshalb trotzdem unter REACH. Seit REACH gilt, sind deshalb in Tierversuchen Millionen von Tieren vergiftet und getötet worden.

Dabei ist längst bekannt, dass Tierversuche nicht nur grausam sind, sondern außerdem wenig aussagen. Eine Chemikalie, die etwa eine Maus oder einen Hund umbringt oder krank macht, kann für Menschen ungefährlich sein – und umgekehrt. Und weil in der Vergangenheit nicht alles ausreichend dokumentiert wurde, müssen für REACH oft Versuche wiederholt werden, deren Ergebnisse längst bekannt sind. Für mehr Sicherheit sorgt die Verordnung so nicht, nur für massenhaft tote Tiere.

Dass es auch anders geht, ist klar. PETA setzt sich seit Jahren für alternative Forschungsmethoden ein, mit denen sich Produkte und Inhaltsstoffe viel besser testen lassen als an Tieren. Bis EU und Hersteller überzeugt sind, hält unsere Kosmetik-Liste Firmen bereit, die auf Inhaltsstoffe zurückgreifen, für die bereits Daten erfasst und daher keine weiteren Experimente an Tieren erforderlich sind, und die auch sonst keinerlei Tierversuche durchführen.

Und was ist jetzt das Problem mit Firmen, die den internationalen Markt bedienen? Informiert euch über die Tierversuchspflicht in China.

Tierversuche

Weil jedes Experiment einen Ausgang hat.

Warum Firmen, die nach China verkaufen, nie tierversuchsfrei sind

In der EU sind Tierversuche für Kosmetika und deren Inhaltsstoffe verboten. Trotzdem sind viele Produkte, die hier verkauft werden, nicht tierversuchsfrei.

Foto: PETA USA

Warum ist das so? Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Deutschland werden von der EU geregelt. 2003 entschied die EU-Kommission, alle Tierversuche für Kosmetikprodukte zu verbieten. Seit März 2013 dürfen keine Kosmetika mehr verkauft werden, deren Inhaltsstoffe nach diesem Datum an Tieren getestet wurden. Abgesehen davon, dass wegen der REACH-Verordnung trotzdem Inhaltsstoffe getestet werden, bleibt noch ein anderes großes Problem: In China sind Tierversuche für Kosmetikprodukte, die aus dem Ausland kommen, vorgeschrieben.

Selbst wenn ein Produkt also mit tierfreien Versuchsmethoden getestet und für den Verkauf in der EU freigegeben wurde, müssen die Firmen trotzdem Tierversuche in Auftrag geben, falls sie auch nach China verkaufen wollen. Und weil China ein riesiger Markt ist, wollen das immer noch viele.

Foto: PETA USA

Manche Firmen haben sich komplett vom chinesischen Markt zurückgezogen, weil sie konsequent keine Tierversuche durchführen wollen. Andere verkaufen ihre Produkte in der EU als „tierversuchsfrei“, obwohl sie gleichzeitig Tierversuche durchführen, um ihre Produkte weiter in China verkaufen zu dürfen. Dabei ist es für die Tiere völlig egal, in welchem Land sie gequält und getötet werden. Eine Firma ist nur dann tierversuchsfrei, wenn sie nirgendwo Tierversuche durchführt.

Auf unserer Kosmetik-Liste findet ihr Firmen, die weder in der EU noch außerhalb davon Tierversuche durchführen, weder für einzelne Inhaltsstoffe noch für fertige Produkte.

Und was ist jetzt das Problem mit den Inhaltsstoffen? Informiert euch über die REACH-Verordnung.