Kann man überhaupt hundertprozentig vegan sein?

Kein Mensch kann leben, ohne Tieren zu schaden. Was bedeutet „vegan“ dann überhaupt noch?

12.Jan 2021

Die ersten Schritte sind noch offensichtlich: kein Fleisch mehr essen, keine Milch trinken und auch keine Kekse mehr essen, bei denen Eier in der Zutatenliste stehen. Komplizierter werden die Fragen meist erst danach: Muss ich beim Brunch meine Freunde darum bitten, noch mal die Brotverpackung aus dem Müll zu fischen, um nach L-Cystein zu gucken? Setze ich mich auf den Boden, wenn die einzige Alternative ein Ledersofa ist? Und wie vegan ist es überhaupt, Pflanzen zu essen, die mit Schlachtabfällen gedüngt sein könnten?

Wer anfängt, sich über solche Dinge Gedanken zu machen, gerät schnell ins Unendliche. Dazu kommen oft ausgerechnet von Fleischessern spitzfindige Sprüche wie der, dass man sich dann ja eigentlich gar nicht mehr bewegen dürfe, um nicht auf Würmer zu treten. Und auch mit anderen Veganern kann man sich super darüber streiten, wer jetzt am vegansten ist, weil er beispielsweise auf Palmöl oder Verpackungskleber achtet. Es scheint, als könne man gar nicht „richtig“ vegan sein.

Dabei geht es beim Vegansein gar nicht um Perfektion. Kein Mensch kann leben, ohne Tieren zu schaden. Auch Veganer können nicht verhindern, dass sie mal versehentlich auf eine Ameise treten oder erst hinterher erfahren, dass im vermeintlich veganen Kuchen doch eine halbe Packung Butter war. Es geht nicht darum, was aus Versehen passiert oder sich nicht verhindern lässt. Es geht darum, Tieren nicht mit Absicht zu schaden und Tierleid zu verhindern, wo man kann.

Das klingt vielleicht schwammig und nach allen möglichen Hintertürchen, dabei ist es ziemlich klar: Vegan ist, was man mit Absicht macht. Und sobald sich etwas nach Ausrede anfühlt, ist es vermutlich auch eine. „Eigentlich“ vegan zu sein, aber alle zwei Wochen einen Fisch zu essen, ist beispielsweise zwar besser als jeden Tag drei Fische zu essen, aber nicht vegan. Kaffee mit Kuhmilch zu bestellen, weil es gerade keine Sojamilch gibt, gilt genauso wenig wie lieber nicht so genau auf die Inhaltsstoffe eines Lippenstifts zu achten, weil man schon ahnt, dass Karmin drinsteckt. Andererseits verliert man keine Veganpunkte, wenn man mal in einem Auto mitfährt, dessen Sitze mit Leder bezogen sind. Und gewinnt vielleicht sogar welche dazu, wenn man mit den Autobesitzern unterwegs darüber redet, warum vegane Alternativen sich lohnen.

Vegan ist nicht immer bequem, aber es ist auch nicht furchtbar schwierig. Sich selbst oder andere wegen Spitzfindigkeiten fertigzumachen bringt niemandem was. Viel wichtiger ist es, sich immer weiter zu informieren und so gut wie möglich zu versuchen, Tieren nicht zu schaden. Vegan sein ist kein Wettbewerb, und der allergrößte Schritt ist schon getan, wenn man offensichtliche Sachen wie Fleisch, Milch und Eier weglässt. Natürlich kommt man als Veganer immer wieder mal in Situationen, in denen man sich nicht sicher ist. Statt zu überlegen, ob man etwas Bestimmtes essen „darf“, sollte man sich aber lieber fragen, ob es richtig ist und was dagegen getan werden kann. Wenn man beispielsweise weiß, dass Bienen für den menschlichen Honigkonsum manipuliert und ausgebeutet werden, kann man sich beim Kauf von Müsli einfach für eine honigfreie Sorte entscheiden.

Ihr würdet gerne vegan leben, wisst aber noch nicht, wie ihr anfangen sollt? Unser Veganstart hilft weiter.

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B12: Ein Vitamin, auf das Veganer wirklich achten sollten

Das einzige Vitamin, auf das Veganer wirklich achten sollten. Mit unseren Infos seid ihr auf der sicheren Seite.

12.Jan 2021

Insgesamt ernähren sich Veganer meist gesünder als die Durchschnittsbevölkerung und müssen sich um die meisten Vitamine und Mineralstoffe keine großen Sorgen machen. Die einzige Ausnahme ist B12. Hier sind alle Infos dazu.

Was ist Vitamin B12?

Vitamin B12 wird auch Cobalamin oder Cyanocobalamin genannt und nur von Mikroorganismen wie Bakterien oder Algen hergestellt. Das passiert zum Beispiel im Verdauungstrakt von Menschen und Tieren. Vitamin B12 spielt eine wichtige Rolle bei der Zellteilung, Blutbildung und der Funktion des Nervensystems. Ein unbehandelter Vitamin-B12-Mangel kann zu irreversiblen neurologischen Schäden führen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung braucht der menschliche Organismus etwa drei Mikrogramm Vitamin B12 pro Tag.

Worin kommt Vitamin B12 vor?

Leider findet sich Vitamin B12 fast nur in tierischen Lebensmitteln. Es wird in den Verdauungsorganen der Tiere von Mikroorganismen produziert oder den Tieren ins Futter gemischt. Von den Verdauungsorganen aus gelangt Vitamin B12 dann in die anderen Organe, die Muskeln und die Milch. Pflanzliche Quellen wie die Nori- oder Chlorella-Alge sind noch nicht genügend erforscht, und das B12 aus vergorenen pflanzlichen Lebensmitteln wie Sauerkraut lässt sich vom menschlichen Organismus wahrscheinlich nicht verwerten. Allerdings kann Vitamin B12 synthetisch hergestellt werden und wird so Pflanzenmilch, Cerealien, Säften oder Zahnpasta zugesetzt. Außerdem gibt es Vitaminpräparate, die speziell für die Bedürfnisse von Veganern zusammengestellt sind.

Kann der Mensch selbst Vitamin B12 herstellen?

Vitamin B12 kann vom menschlichen Organismus hergestellt werden. Aber auch wenn es im eigenen Dickdarm produziert wird, kann es nicht über die Dickdarmwand resorbiert werden. Der menschliche Körper versorgt sich also nicht selbst mit Vitamin B12.

Wer muss sich vor einem Vitamin-B12-Mangel schützen?

Nicht nur Veganer können einen Vitamin-B12-Mangel bekommen, sondern auch Vegetarier und Fleischesser. Wer keine tierischen Produkte zu sich nimmt, sollte aber verstärkt darauf achten, genug Vitamin B12 zu sich zu nehmen. Das heißt nicht, dass eine vegane Ernährung mangelhaft wäre, sondern lässt sich damit vergleichen, dass die meisten Menschen ihren Jodbedarf über angereichertes Salz decken oder Zahnpasta mit Fluorid benutzen.

Wie schützt man sich vor einem Vitamin-B12-Mangel?

Der menschliche Körper kann Vitamin B12 wahrscheinlich bis zu sieben Jahre in der Leber speichern.Trotzdem empfiehlt es sich, mit Beginn der Ernähungsumstellung ein B12-Supplement einzunehmen und durch regelmäßige Blutbilder den B12-Spiegel zu kontrollieren. Es gibt sowohl reine B12-Supplemente in Tabletten- oder Tropfenform als auch Multivitamin-Präparate. Angereicherte Lebensmittel oder Vitamin-B12-Zahnpasta eignen sich gut als Ergänzung dazu.

Woran erkennt man einen Vitamin-B12-Mangel?

Wenn die Haut und Schleimhäute blasser sind als vorher, man sich allgemein schwach, müde und schwindlig fühlt und sich Mund-, Zungen- und Darmschleimhäute zurückbilden, kann das auf eine megaloblastäre Anämie hindeuten, also auf eine bestimmte Form der Blutarmut, die bei einem Mangel an B12 auftreten kann. So ein Mangel kann sich außerdem in Kribbeln an Händen, Füßen und anderen Körperstellen, Appetitmangel, Problemen bei der Koordination von Bewegungen, Verwirrtheit, Halluzinationen und Gedächtnisstörungen bis hin zu Psychosen zeigen, die auf Schädigungen des zentralen Nervensystems hindeuten. Am besten lässt sich ein Vitamin-B12-Mangel schon frühzeitig mithilfe eines Blutbildes erkennen, bevor ernstere Symptome auftreten.

Was sollte man beim Arzt checken lassen?

Das Thema Ernährungswissenschaft wird im Medizinstudium nicht ausgiebig behandelt. Deshalb kennen sich nicht alle Ärzte damit aus, wie sich der B12-Wert im Blut zuverlässig bestimmen lässt. Bei einem normalen kleinen oder großen Blutbild ist der B12-Check außerdem nicht automatisch dabei. Der wichtigste Marker für eine Mindestversorgung an Vitamin B12 ist der Holo-TC-Wert (Holotranscobalamin II), der schon frühzeitig Mängel anzeigt, auch wenn der Vitamin-B12-Spiegel im Blut noch normal ist. Deshalb sollte immer dieser Wert kontrolliert werden. Das übernehmen Krankenkassen meist nur in Sonderfällen, es ist mit ungefähr 15 Euro aber auch nicht allzu teuer.