Warum IS-Terroristen erst mal an Tieren üben

Bevor sie Menschen töten, töten die Anhänger des Islamischen Staats erst mal Tiere. Das hat System.

Bei der Berichterstattung über den Islamischen Staat fällt immer wieder ein Detail auf: Die Menschen, die sich für den IS zu Terroristen ausbilden lassen, üben das Töten erst mal an Tieren. Berichten nach trainieren sie dabei bestimmte Praktiken wie das Köpfen. Aussteiger erzählen auch, dass Neuankömmlinge zunächst zum Arbeiten in die Küche geschickt werden, um dort Tiere fürs Essen zu töten, bevor sie lernen, Menschen umzubringen.

Dahinter steckt eine Logik, die viel über uns Menschen aussagt: Tiere sind vermeintlich weniger wert als Menschen, deshalb fällt es uns leichter, sie zu töten. Wenn sie aber wirklich so wenig wert wären, würde es ja keine große Überwindung kosten, sie zu töten, und die „Übung“ wäre nutzlos. Tatsächlich empfinden Tiere genau wie wir Angst und Schmerzen und hängen an ihrem Leben. Dass es einfacher erscheint, ein Tier zu töten, liegt nur daran, dass wir an getötete Tiere gewöhnt sind – aber weil wir das Töten normalerweise nicht selbst übernehmen, ist es eben doch schwierig. Und wenn man einmal abgestumpft genug ist, um einem Tier den Kopf abzuschlagen, fällt es leichter, das bei einem Menschen zu tun. 

Und warum machen wir Unterschiede zwischen verschiedenen Tieren wie Schweinen und Hunden? Das liegt am Karnismus.

Ernährung

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Warum lieben wir Hunde und essen Schweine?

Dass wir manche Tiere als Freunde sehen und andere als Fleisch, hat keine logischen Gründe, sondern mit einem Glaubenssystem zu tun.

Die Psychologin Melanie Joy hat dafür den Begriff Karnismus geprägt. Was sie damit meint, ist ganz einfach: Wir sortieren Tiere in „essbar“ und „nicht essbar“. Und die „essbaren“ sehen wir nicht mehr als Tiere, sondern als Fleisch. Das funktioniert, weil wir sie versachlichen (also schon lebend wie Objekte behandeln, die maschinell aufgezogen, transportiert und getötet werden) und entindividualisieren (also nicht an einzelne Lebewesen mit einer Persönlichkeit und Gefühlen denken, sondern an eine anonyme Masse).

Warum lieben wir Hunde...

Die meisten Menschen essen kein Fleisch von Tieren, die sie zu Lebzeiten kannten oder zu denen sie eine Bindung hatten. Solange man aber nicht darüber nachdenken muss, dass das Schnitzel auf dem Teller mal ein Tier war, solange es keinen Namen hatte und man es nie gesehen hat, wird es einfacher, es zu essen.

Dabei sind die Regeln, nach denen Tiere in Freunde und Fleisch eingeteilt werden, sehr willkürlich. Zu niedliche Tiere will niemand essen, zu hässliche Tiere aber auch nicht. Dass Schweine intelligenter sind als Hunde und mindestens so treue Begleiter, blenden die meisten Menschen lieber aus. Und während Kühe in manchen Kulturen ganz selbstverständlich als Nutztiere gelten, sind sie in anderen heilig.

...und essen Schweine?

Auf Argumenten basiert der Karnismus also nicht. Stattdessen rechtfertig er sich mit den drei „N“: Menschen glauben, Fleisch zu essen, wäre normal, natürlich und notwendig. Bei genauerer Betrachtung stimmt das natürlich nicht, schließlich sind Normen von Menschen gemacht und veränderbar, hat die Menschheit spätestens mit der Entdeckung des Feuers alle Natürlichkeit abgelegt und braucht niemand Tierprodukte, um gesund zu bleiben. Wer das einmal verstanden hat, merkt auch, dass das vegane Leben die logischste Konsequenz ist.