Warum Leder kein Naturprodukt ist

Das Argument hält sich hartnäckig, dabei stimmt es nicht mal: Leder ist weder natürlich noch ökologisch sinnvoll oder gesund.

Meist kommt das Argument von Leuten, die Tierrechte zwar grundsätzlich richtig finden, aber trotzdem noch nicht ganz einsehen wollen, dass ihre eigenen Schuhe, Taschen oder sonstigen Lederprodukte dann auch nicht mehr ganz passen. Klar sei es für die Tiere besser, ihnen nicht die Haut abzuziehen, sagen sie dann, aber Leder sei ja immerhin ein Naturprodukt und deshalb gut für die Umwelt und das Fußklima und überhaupt. Dumm nur, dass das nicht stimmt.

Erst mal ist „Naturprodukt“ sowieso ein schwammiger Begriff, den man immer dann super als Totschlagargument einsetzen kann, wenn man vom echten Totschlagen ablenken will. Wie „natürlich“ es ist, Tiere einzusperren und zu töten, um dann aus ihrer Haut Accessoires zu machen, ist sowieso mehr als fraglich.

Danach geht es aber auch kein Stück natürlicher weiter. Wenn man sich unverarbeitete Tierhäute um die Füße wickeln oder zu Handtaschen zusammenheften würde, dann wäre das nicht nur eklig, sondern würde auch nicht besonders lange halten. Damit Leder nicht stinkt, suppt und auseinanderfällt, muss es künstlich verarbeitet werden. Dieses sogenannte Gerben passiert in vielen Fällen mit Stoffen wie Laugen und Schwermetallen, die für die Umwelt und die menschliche Gesundheit schädlich sein können. Je nach Gerbmethode enthält das fertige Leder nur noch ein Viertel bis zur Hälfte Haut, der Rest sind künstlich zugesetzte Gerbstoffe.

Mehr als 90 Prozent der Lederprodukte, die man hierzulande kaufen kann, sind mit Schwermetall gegerbt. Bei unsachgemäßer Ledergerbung oder Lagerung entsteht durch Oxidation von Chrom III sehr häufig Chrom VI, das als besonders krebserregend gilt – insbesondere für die Arbeiter in den Gerbereien, die die giftigen Dämpfe einatmen oder selbst barfuß in den Giftlaugen stehen. Verbraucherschutzbehörden in Deutschland messen später regelmäßig hohe gesundheitsschädliche Chrom VI-Werte in fertigen Lederprodukten wie Handtaschen und Schuhen.

Gerbereien entsorgen ihr giftigen Abwässer mit Blei, Zyanid und Formaldehyd häufig ungefiltert in Flüsse. Bei Arbeitern und Anwohnern von Gerbereien werden immer wieder erhöhte Leukämie- und Lungenkrebsraten festgestellt.

Dazu kommt, wie die Lederproduktion die Umwelt zerstört. Nicht nur durch giftige Stoffe, die übers Abwasser in den Boden und die Flüsse gelangen, sondern auch, weil Rinderzuchtbetriebe tonnenweise klimaschädliches Methan und freisetzen und für Weideland und Sojaanbauflächen große Waldflächen abgeholzt werden. Leder stammt aus extrem unnatürlicher Haltung, bei der Tiere zu Hunderten bis Tausenden auf Weiden oder in Ställen eingesperrt und nach meist 3 bis 5 Jahren in Schlachthäusern getötet werden. Mit einem Naturprodukt hat das nichts zu tun.

Ihr wollt es mal anders versuchen? Hier sind Chelsea Boots, Lederjacken und Sneaker ohne Leder.

Bekleidung

Weil niemand eine zweite Haut braucht.
Go Vegan!

Wilby – Vegane Handtaschen aus Großbritannien

Angefangen hat es mit Clutches, für die keine Tiere getötet werden sollten. Inzwischen stellt Wilby aus London alle möglichen veganen Handtaschen her.

© Wilby

Die Auswahl an veganen Handtaschen wird zum Glück immer größer. Günstigen Kunstlederkram gibt es schon lange bei den üblichen Modeketten, aber auch wer hochwertige und nachhaltige Materialien sucht, findet immer mehr schöne Taschen in allen möglichen Größen, Farben und Formen.

Die Pink Scooper von Wilby

Die britische Marke Wilby wollte eigentlich nur eine kleine Kollektion mit veganen Clutches auf den Markt bringen. Die kamen aber so gut an, dass es ein paar Jahre später nun noch viel mehr Modelle gibt, von klassischen Satchels über schicke Rucksäcke bis zu eleganten Handtaschen, die man sich einmal zum Praktikumsbeginn zulegt und dann bis in die höheren Etagen behält. Das geht, weil die Taschen gut verarbeitet sind und lange halten.